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Form

Rätselkanon

Kanon, dessen Ausführungsanweisungen (Einsätze, Intervalle) bewusst nicht notiert sind und vom Ausführenden erschlossen werden müssen.

Was es bedeutet

Ein Rätselkanon (lateinisch canon aenigmaticus) ist ein Kanon, bei dem die Anweisungen zur Ausführung bewusst nicht ausgeschrieben sind. Notiert ist meist nur eine Stimme, dazu ein Rätselspruch, ein Zeichen oder eine unvollständige Angabe. Der Ausführende muss selbst herausfinden, in welchem Abstand, auf welchem Intervall oder in welcher Richtung die anderen Stimmen einsetzen.

Musikalische Verwendung

Rätselkanons waren in der Renaissance und im Barock ein Beweis kontrapunktischen Könnens und auch ein Spiel für Kenner. Johann Sebastian Bach enthält solche Kanons in seinem „Musikalischen Opfer“ (1747), etwa mit der Beischrift „Quaerendo invenietis“ („Suchet, so werdet ihr finden“). Die Lösung konnte eine Umkehrung, einen Krebs oder eine Verlängerung der Notenwerte verlangen.

Abzugrenzen ist der Rätselkanon vom einfachen Kanon, dessen Stimmeneinsätze ausgeschrieben sind oder klar gekennzeichnet werden, und von der Fuge, die frei imitierend gearbeitet ist.

Spielpraxis

Wenn du einen Rätselkanon lösen willst, untersuche zuerst die Beischrift und die Zeichen. Probiere Einsatzabstände und Intervalle, bis alle Stimmen zusammenklingen. Prüfe die Lösung auf reine Stimmführung, denn nur die richtige ergibt einen stimmigen Satz.