Imitation
Nachahmung eines Motivs oder Themas in einer anderen Stimme.
Was es bedeutet
Imitation bezeichnet die Nachahmung eines Motivs oder Themas in einer anderen Stimme, kurz nachdem es zuerst erklungen ist. Die zweite Stimme übernimmt dieselbe oder eine leicht veränderte Gestalt, oft in einer anderen Tonlage, während die erste Stimme weiterläuft.
Musikalische Verwendung
Imitation ist das wichtigste Bauprinzip vieler mehrstimmiger Formen: Sie bildet die Grundlage des Kanons, in dem alle Stimmen dieselbe Melodie strikt nachahmen, und der Fuge, in der Dux und Comes einander imitieren. Auch in freierer kontrapunktischer Musik, etwa in Motetten der Renaissance, wechseln sich imitierende Einsätze verschiedener Stimmen ab und schaffen so Zusammenhalt zwischen ihnen. Der Abstand zwischen den Einsätzen kann groß oder, wie bei der Engführung, sehr klein sein.
Abzugrenzen ist die Imitation vom Kanon, der eine strenge, über das ganze Stück durchgehaltene Imitation ist, während Imitation im allgemeinen Sinn auch nur für einen Abschnitt gelten kann. Von der bloßen Wiederholung unterscheidet sie sich dadurch, dass die Nachahmung in einer anderen Stimme, meist zeitversetzt, geschieht.
Spielpraxis
Verfolge beim Hören eines imitatorischen Satzes, welche Stimme das Motiv zuerst vorträgt, und höre, wie die folgenden Stimmen es aufgreifen. Beim eigenen Musizieren hilf dabei, den imitierenden Einsatz klanglich leicht hervortreten zu lassen, damit die Zuhörenden das Prinzip erkennen können.