Comes
Comes (lateinisch „Begleiter“, „Gefährte“) nennt man in einer Fuge die zweite Stimme, die das Thema der ersten, des Dux, aufnimmt. Meist setzt sie auf der fünften Stufe ein, also eine Quinte höher oder eine Quarte tiefer als der Dux.
- Bedeutung
- zweite einsetzende Stimme, die das Thema beantwortet
- Wortherkunft
- lateinisch comes, „Begleiter“ oder „Gefährte“
- Einsatzton
- meist die fünfte Stufe: Oberquinte oder Unterquarte
- Gegenstück
- Dux, die erste Stimme mit dem Thema im Grundton
- Typisch für
- Fuge, auch Kanon
Die Antwort auf das Thema
Eine Fuge beginnt damit, dass eine Stimme allein das Thema vorstellt, den Dux. Dann setzt eine zweite Stimme ein und bringt das Thema noch einmal: den Comes. Er ist die Wiederholung des Fugenthemas in der zweiten Stimme. Gebräuchlich sind die beiden Wörter auch für die erste und zweite einsetzende Stimme anderer nachahmender Stücke, etwa eines Kanons, vor allem aber bei der Fuge.
Dux: das Thema auf c
Ein eigenes Beispielthema, kein Zitat. Es beginnt auf dem Grundton c und hat sechs Töne.
Comes: dasselbe Thema eine Quinte höher
Jeder Ton liegt genau eine Quinte über dem entsprechenden Ton des Dux: c wird zu g, d zu a, e zu h. Die Schritte zwischen den Tönen bleiben gleich groß, deshalb spricht man von einer realen Beantwortung.
Beide Stimmen zusammen
Im ersten Takt hört man nur den Dux in der unteren Stimme. Im zweiten Takt setzt oben der Comes mit dem Thema ein (markiert), während unten eine Gegenstimme erklingt.
Warum die fünfte Stufe
Der Comes steht typischerweise auf der fünften Stufe, in der Oberquinte oder in der Unterquarte. Bei C-Dur ist das der Ton g. Die dritte einsetzende Stimme geht dann meist wieder zum Grundton zurück und wird oft ebenfalls Dux genannt.
Nicht jeder Comes ist eine genaue Verschiebung des Themas. Steht im Themenkopf der Quintton über dem Grundton an betonter Stelle, wird er im Comes meist zur Quarte verändert. Das heißt tonale Beantwortung. Der Grund ist, die Identität der Tonart zu wahren. Im Beispiel oben bleibt es bei der realen Beantwortung, in der jedes Intervall unverändert bleibt.
| Dux | Comes | |
|---|---|---|
| Das Wort | lateinisch „Führer“ | lateinisch „Begleiter“ oder „Gefährte“ |
| Einsatz | erste Stimme | zweite Stimme |
| Tonstufe | Grundton | meist fünfte Stufe: Oberquinte oder Unterquarte |
| Im Beispiel oben | beginnt auf c | beginnt auf g |
Im Notenarchiv
Unter den Titeln des Notenarchivs ist eine einzige Fuge, und an ihrem Beginn lässt sich der Wechsel vom Dux zum Comes sehen: der erste Einsatz auf c′ in Takt 1, der zweite auf g′ in Takt 2.
Fuge im Archiv
-
Fuge C-Dur Johann Sebastian Bach, aus: Das Wohltemperierte Clavier I, Nr. 1, BWV 846 · Klavier · vierstimmig · 2 Seiten
Die Taktart ist 4/4, es gibt keine Vorzeichen. In Takt 1 setzt nach einer Achtelpause die untere der beiden Stimmen im oberen System auf c′ ein, mit drei Achteln in Stufen aufwärts. In Takt 2 setzt nach einer halben Pause und einer Achtelpause die obere Stimme auf g′ ein, also eine Quinte höher. Das ist der Wechsel vom Dux zum Comes.
Häufige Fehler
- Den Comes für einen neuen Abschnitt halten: Er bringt kein neues Thema, sondern dasselbe Thema in einer zweiten Stimme.
- Immer eine Quinte aufwärts erwarten: Meist ist es die fünfte Stufe, aber auch die Unterquarte, und im Themenkopf kann ein Ton verändert sein.
- Den Dux nur am Anfang suchen: Spätere Themeneinsätze im Grundton heißen oft ebenfalls Dux.
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Verwandte Begriffe
DuxFugaImitationKontrapunktKanonDominanteStimmeOberstimme
Redaktion: Maik Krohm · fachlich geprüft am 03.10.2026
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