Engführung
Dicht aufeinanderfolgende Themeneinsätze, bevor das Thema in der vorigen Stimme endet.
Was es bedeutet
Als Engführung bezeichnet man in der Fuge das dichte, überlappende Aufeinanderfolgen mehrerer Themeneinsätze, bei dem eine neue Stimme mit dem Thema einsetzt, bevor die vorherige Stimme ihr eigenes Thema vollständig beendet hat. Dadurch entsteht ein besonders dichtes, kontrapunktisch anspruchsvolles Stimmengeflecht, in dem das Thema kurz nacheinander in mehreren Stimmen gleichzeitig zu hören ist.
Musikalische Verwendung
Die Engführung gehört zu den beliebtesten kontrapunktischen Steigerungsmitteln in der Fuge und wird meist gegen Ende eines Werkes eingesetzt, um durch die enge, dichte Verflechtung der Themeneinsätze einen klanglichen und strukturellen Höhepunkt zu erzeugen. Bekannte Beispiele finden sich in vielen Fugen von Johann Sebastian Bach, etwa im Wohltemperierten Klavier, wo Engführungen oft die kunstvollste kontrapunktische Verdichtung eines Satzes markieren.
Abzugrenzen ist die Engführung vom regulären Themeneinsatz in der Fugenexposition, bei dem jede Stimme ihr Thema vollständig vorträgt, bevor die nächste einsetzt. Auch vom Doppelkanon unterscheidet sich die Engführung, da diese Technik innerhalb einer einzigen Fuge auf ein einziges Thema angewendet wird, statt zwei eigenständige kanonische Stimmenpaare zu kombinieren.
Spielpraxis
Verfolge beim Hören einer Fuge gezielt die einzelnen Themeneinsätze und achte auf Stellen, an denen sich die Abstände zwischen den Einsätzen deutlich verkürzen: Hier beginnt meist die Engführung. Beim eigenen Musizieren hilft es, jede beteiligte Stimme einer Engführung zunächst einzeln zu üben, bevor du versuchst, alle überlappenden Themeneinsätze gleichzeitig klar und deutlich hörbar zu machen.