Rondellus
Mittelalterliche Satztechnik strenger Imitation, bei der Stimmen ihre Phrasen reihum tauschen (Stimmtausch).
Was es bedeutet
Der Rondellus ist eine mittelalterliche, vor allem in England gepflegte Satztechnik, bei der zwei oder drei Stimmen dieselben Melodiephrasen singen, diese aber reihum untereinander tauschen: Was zunächst die Oberstimme singt, übernimmt danach eine andere Stimme, während die erste zur nächsten Phrase wechselt.
Musikalische Verwendung
Diese Technik des Stimmtauschs erzeugt einen dichten, kanonartigen Klang, ohne dass die Stimmen im strengen Sinn versetzt einsetzen müssen wie bei einem Kanon. Der Rondellus findet sich vor allem in der englischen Mehrstimmigkeit des 13. Jahrhunderts, etwa in Verbindung mit dem berühmten Rundgesang „Sumer is icumen in“. Abzugrenzen ist der Rondellus vom Kanon, bei dem dieselbe Melodie zeitversetzt einsetzt, während beim Rondellus die Stimmen ihre unterschiedlichen Phrasen gleichzeitig, aber wechselseitig tauschen.
Spielpraxis
Wenn du einen Rondellus singst oder spielst, achte darauf, jede übernommene Phrase klanglich genauso zu gestalten wie die vorherige Stimme, damit der reihum wandernde Melodiefluss hörbar bleibt.