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Form

Sirventes

Strophisches Lied der Troubadoure mit politischem oder moralisierendem Inhalt statt Liebesthematik.

Was es bedeutet

Das Sirventes ist ein strophisches Lied der Troubadoure, also der okzitanischen Dichter-Musiker des Mittelalters. Anders als das Liebeslied, das die verehrte Dame besingt, behandelt es politische, moralische oder satirische Themen.

Das Wort geht auf okzitanisch „sirvent“ („Diener“) zurück; ein Sirventes war ursprünglich ein „Dienstlied“ im Dienst eines Herrn oder einer Sache.

Musikalische Verwendung

Die Texte greifen Zeitgeschehen auf: Sie loben oder tadeln Herrscher, kommentieren Kriege und Kreuzzüge, geißeln Missstände in Kirche und Gesellschaft oder führen Streit mit anderen Dichtern. Viele Sirventes-Dichtungen sind Kontrafakturen, das heißt, sie übernehmen die Melodie und den Strophenbau eines bekannten Liebesliedes und legen einen neuen Text darunter.

Überliefert sind die Lieder vor allem in Handschriften des 13. und 14. Jahrhunderts. Da die Melodien nur teilweise erhalten sind und die mittelalterliche Notation den Rhythmus nicht eindeutig festlegt, ist die heutige Aufführung stets eine Rekonstruktion.

Abzugrenzen ist das Sirventes von der Canso, dem klassischen höfischen Liebeslied der Troubadoure, sowie vom Minnesang, der deutschsprachigen Parallelerscheinung mit vorwiegend Liebesthematik.

Spielpraxis

Trägst du ein Sirventes vor, richte den Vortrag nach dem Text: Setze klare Betonungen und mache den Aussagegehalt verständlich. Informiere dich über den historischen Hintergrund, damit Anspielungen auf Personen und Ereignisse nachvollziehbar werden.