Troubadour
Mittelalterlicher Sängerkomponist.
Was es bedeutet
Troubadours waren Dichter-Komponisten im okzitanischen Sprachraum des südlichen Frankreich, tätig etwa vom späten 11. bis ins 13. Jahrhundert. Sie verfassten Text und Melodie ihrer Lieder selbst und trugen sie vor oder ließen sie vortragen. Im nordfranzösischen Sprachraum entspricht ihnen die Bewegung der Trouvères, im deutschsprachigen Raum der Minnesang. Überliefert sind rund 2600 Gedichte oder Gedichtfragmente von etwa 450 namentlich bekannten Troubadours, aber weniger als 300 Melodien von geschätzt 2500 Liedern, und deren Notation legt Rhythmen nicht eindeutig fest.
Musikalische Verwendung
Die Lieder sind einstimmig und strophisch. Es gibt feste Gattungen mit eigenen Regeln — Liebeslied, Streitgespräch, Klagelied, Tanzlied und weitere —, die sich in Thema, Strophenbau und Tonfall unterscheiden. Verbreitet ist die Kanzonenform mit zwei gleich gebauten Anfangsteilen und einem abweichenden Schluss, ein Prinzip, das die europäische Liedform lange prägt. Ob und womit begleitet wurde, ist nicht überliefert; Darstellungen zeigen Instrumente, doch Notenquellen enthalten keine Begleitstimmen. Aufführungen müssen hier Entscheidungen treffen und sollten sie als solche kenntlich machen.
Spielpraxis
Geh vom Text aus: Versmaß und Betonung geben die musikalische Gliederung und den wahrscheinlichsten Rhythmus. Singe einstimmig, schlicht und mit ruhiger Tongebung ohne großes Vibrato. Wähle eine bequeme Tonlage, da die Notation keine absolute Höhe vorgibt. Gestalte die Strophen unterschiedlich, weil lange Folgen sonst eintönig werden; der Textverlauf gibt dafür die Anhaltspunkte. Halte Begleitungen sparsam und verzichte auf harmonische Deutungen, die aus späterer Musik stammen.
Die Gattungen dieser Dichtung haben eigene Regeln: Ein Streitgespräch verlangt einen anderen Vortrag als ein Klagelied, und der Strophenbau folgt jeweils festen Mustern. Prüfe, um welche Gattung es sich handelt, bevor du gestaltest, und ob zu einem Text überhaupt eine Melodie überliefert ist, weil Ausgaben gelegentlich fremde Melodien unterlegen. Bekannte Troubadours sind Wilhelm IX. von Aquitanien, der früheste Troubadour, dessen Werk erhalten ist, und Bernart de Ventadorn, der als Meister des Liebeslieds gilt.