Zum Inhalt springen
Vokal

Solfeggio

Tonleiter-Singübung mit Silben.

Was es bedeutet

Solfeggio bezeichnet das Singen auf Tonsilben — do, re, mi, fa, sol, la, ti — und die darauf aufbauenden Übungen. Es dient dazu, Tonhöhen und Intervalle sicher zu treffen und Noten unmittelbar in Klang zu übersetzen. Zwei Systeme stehen nebeneinander: das relative, bei dem do stets den Grundton der jeweiligen Tonart bezeichnet, und das absolute, bei dem do immer den Ton C meint, wie es in romanischen Sprachen üblich ist. Daneben bezeichnet der Begriff Sammlungen von Gesangsübungen ohne Text.

Musikalische Verwendung

Die Methode geht auf die mittelalterliche Solmisation zurück und hat sich in verschiedenen Schulen weiterentwickelt. Ihr Nutzen liegt darin, dass jede Stufe der Tonleiter einen eigenen Namen und damit einen erkennbaren Charakter erhält: Der Leitton klingt anders als die Quinte, und genau das prägt sich über die Silbe ein. In der Chorarbeit erleichtert das relative System das Vom-Blatt-Singen, weil Muster in allen Tonarten gleich benannt werden. Als Gesangsübung schult das Solfeggio zugleich Stimmführung und Beweglichkeit, weil es ohne Textablenkung auskommt.

Spielpraxis

Entscheide dich für ein System und bleibe dabei; das Mischen von relativem und absolutem Gebrauch stiftet Verwirrung. Übe zuerst die Stufen einer Tonleiter aufwärts und abwärts, dann Sprünge zum Grundton, und erst danach freie Melodien. Nutze Handzeichen, wenn sie in deiner Lernumgebung üblich sind — die körperliche Verknüpfung hilft dem Gedächtnis. Singe Übungen in mehreren Tonarten, damit das Muster und nicht der Griff im Gedächtnis bleibt. Halte die Lautstärke maßvoll; es geht um Genauigkeit, nicht um Volumen.

die beiden Systeme unterschiedlichen Zwecken dienen: Das relative schult das Erkennen von Stufen und Mustern, das absolute die Bindung an feste Tonhöhen. Wer beides mischt, verliert den Nutzen von beidem. Entscheide dich und bleibe dabei. Im 18. Jahrhundert waren Solfeggi auch ausgeschriebene Übungsstücke für Gesang, etwa in Neapel. Nutze bei festem Do die Silben als Tonnamen, bei beweglichem Do als Stufenbezeichnung.