Sol-Fa
Englisches Solmisationssystem.
Was es bedeutet
Sol-fa, ausführlicher Tonic Sol-fa, ist ein im 19. Jahrhundert in England entwickeltes Verfahren des Singens nach Silben. Es beruht auf dem beweglichen Do: Die Silben bezeichnen Stufen der jeweiligen Tonart, nicht absolute Tonhöhen. Kennzeichnend ist die abgekürzte Schreibung, bei der jede Stufe durch ihren Anfangsbuchstaben vertreten wird — weshalb die siebte Silbe zu ti wurde, damit sie sich nicht mit sol denselben Buchstaben teilt.
Musikalische Verwendung
Das System entstand aus der Absicht, Laien ohne Notenkenntnis das mehrstimmige Singen zu ermöglichen, und war in englischen Chören und im Schulunterricht weit verbreitet. Dazu gehörte eine eigene Schreibweise, in der Melodien allein durch die Buchstabenkürzel, Striche für die Dauer und Doppelpunkte für die Taktgliederung dargestellt wurden — Notenschrift im üblichen Sinn war nicht erforderlich.
Aus dieser Tradition stammen auch die Handzeichen, die später im Rahmen der von Zoltán Kodály angeregten Musikerziehung übernommen und weiterentwickelt wurden. In Moll wird üblicherweise von la ausgegangen, sodass die Beziehung zur Durparallele erhalten bleibt.
Für die Gehörbildung ist das Verfahren deshalb wirksam, weil es Funktion und Klang verbindet: Wer ti singt, singt den Leitton und spürt dessen Zug. Ergänzend zur Notenschrift eingesetzt, bleibt es bis heute in Gebrauch.
Namensgeber war John Curwen, der die Methode ab 1841 ausgehend von Vorarbeiten der Norwicher Lehrerin Sarah Ann Glover entwickelte; die Silben lauten doh, ray, me, fah, soh, lah, te, dazu kommt eine eigene Buchstabennotation, die ohne Liniensystem auskommt. Getragen von der viktorianischen Bewegung zur Sozialreform und „rationalen Erbauung" der Arbeiterschicht, verbreitete sich das Verfahren rasch in Schulen und Laienchören; über britische Missionsgesellschaften gelangte es unter anderem nach Indien, Madagaskar, China, Japan und Südafrika.
Spielpraxis
Nutze die Silben, um Melodien zu erarbeiten, bevor du sie spielst — besonders die Halbtonstellen prägen sich so ein. Übe mehrstimmig: Zwei Gruppen auf Silben singen lassen ist der schnellste Weg zu sicherer Intonation. Und wechsle nicht zwischen beweglichem und festem Do.