Solmisation
System der Tonsilben Do-Re-Mi.
Was es bedeutet
Solmisation ist die Bezeichnung von Tönen durch Silben, die gesungen werden: do, re, mi, fa, sol, la und, später hinzugekommen, si oder ti. Ihr Zweck ist, das Singen vom Blatt zu erleichtern, indem jeder Stufe ein eigener Klangname zugeordnet wird. Entstanden ist das System im 11. Jahrhundert, überliefert im Zusammenhang mit Guido von Arezzo, der die Silben aus den Anfangssilben der Zeilen eines lateinischen Hymnus gewann.
Musikalische Verwendung
Das ursprüngliche System beruhte auf Hexachorden, überlappenden Sechstonreihen, in denen der Halbton stets zwischen mi und fa lag. Beim Überschreiten des Sechstonraums wechselte man durch die sogenannte Mutation in das nächste Hexachord. Später trat die siebte Silbe hinzu, und das System wurde auf die Oktave umgestellt.
Heute stehen zwei Auffassungen nebeneinander. Beim beweglichen Do bezeichnet do jeweils den Grundton der geltenden Tonart, sodass die Silben Stufen benennen: ti ist immer der Leitton, sol immer die Quinte. Das schult das relative Hören und macht die Funktion eines Tones unmittelbar fühlbar. Beim festen Do bezeichnet do dagegen immer denselben Ton — im romanischen Sprachraum sind die Silben schlicht die Tonnamen, und do entspricht dem deutschen c.
Ergänzt wird die Solmisation häufig durch die Kodály-Handzeichen, die jeder Silbe eine Handform zuordnen und die Melodie im Raum sichtbar machen.
Man unterscheidet absolute und relative Solmisation. Bei der absoluten Solmisation, dem festen Do, sind die Silben mit festen Tonhöhen verbunden, wie in Frankreich und Italien. Bei der relativen Solmisation, dem beweglichen Do, bezeichnen sie die Stufen einer Tonart, wie in der Tonic-Sol-fa-Methode und bei Kodály. Beide Verfahren schulen das innere Hören, aber auf verschiedene Weise: das eine das Bewusstsein für Tonhöhen, das andere das für Beziehungen. ## Spielpraxis
Wenn du dein Gehör schulen willst, wähle das bewegliche Do und bleibe dabei; ein Wechsel zwischen beiden Systemen verwirrt mehr, als er nützt. Singe kurze Melodien auf Silben, bevor du sie spielst, und achte besonders auf den Halbton zwischen ti und do sowie zwischen mi und fa. Und nutze die Handzeichen im Gruppenunterricht — sie machen Stufen sichtbar und tastbar.