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Theorie

Solmisation

Die Solmisation, auch Solfège, gibt jeder Stufe einer Tonleiter eine Silbe: do, re, mi, fa, sol, la, ti. Im beweglichen Do ist do in Dur immer der Grundton der Tonart, nicht der Ton c. So lernt man Beziehungen zwischen Tönen statt einzelner Namen.

Silben
do, re, mi, fa, sol (so), la, ti
Prinzip
relativ: do = Grundton der Dur-Tonart
Herkunft
Hymnus „Ut queant laxis“, von Guido von Arezzo (11. Jh.) aufgegriffen
Hilfsmittel
Handzeichen nach Curwen und Kodály
Nutzen
inneres Hören, Melodien in jeder Tonart singen

Silben für die Stufen

Die Seite Gehörbildung beschreibt das Prinzip: Die Solmisation gibt jeder Stufe einer Tonleiter eine Silbe. Weil sie relativ ist, hilft sie, Melodien und ihre Spannungen unabhängig von der konkreten Tonart zu erfassen. Das „do“ ist in Dur immer der Grundton, das „ti“ strebt aufwärts zurück zum „do“. Die Seite nennt sie einen Klassiker im Musikunterricht.

StufeSilbein C-Durin G-Durin F-Dur
1docgf
2redag
3mieha
4fafcb
5solgdc
6laaed
7tihfise

Die Tabelle zeigt es für drei Tonarten: In C-Dur ist c das do, in G-Dur g, in F-Dur f. Die Silben bleiben, die Töne wechseln.

Do ist nicht C

Das ist laut der Seite Klang-Regenbogen der entscheidende Punkt für den Unterricht: Die Silben werden relativ verwendet. „Do“ ist nicht c, sondern der Grundton der jeweiligen Dur-Tonart. Der Abstand von do zu mi ist damit immer eine große Terz, und ti drängt immer zum do hinauf, ganz gleich, in welcher Tonart man gerade ist.

Der Nutzen: Ein Kind, das ein Lied in C gelernt hat, kann es mit den Silben sofort in G singen. Mit absoluten Notennamen müsste es das Stück neu lernen. Beide Systeme haben ihren Ort und widersprechen sich nicht. Die Buchstabennamen braucht man, um über ein bestimmtes Stück zu reden und um am Instrument zu greifen. Die Silben braucht man, um zu hören, was gerade passiert. Im Unterricht laufen sie parallel: Die Farbe zeigt den absoluten Ton, die Silbe seine Funktion in der Tonleiter.

Selbst ausprobieren: Singe eine Dur-Tonleiter in den Silben do bis ti und halte auf dem ti an. Wie der Artikel Der Leitton beschreibt, singen fast alle Gruppen den letzten Ton von selbst dazu. Das ist der Zug des ti zum do.

Woher die Silben kommen

Die Seite Klang-Regenbogen erklärt die Herkunft: Die Silben gehen auf den alten Johannes-Hymnus „Ut queant laxis“ zurück, dessen Zeilen jeweils einen Ton höher begannen. Guido von Arezzo (11. Jahrhundert) nahm deren Anfangssilben als Namen. Spätere Zeit hat die Reihe verändert: Statt „ut“ singt man heute meist „do“, und das „ti“ (früher „si“) kam erst später dazu. Auch die Schreibweise ist nicht einheitlich: Während die Seite Gehörbildung „sol“ schreibt, steht auf der Seite Klang-Regenbogen „so“, wie es im Kodály-System üblich ist.

Handzeichen und Rhythmussprache

Zur Solmisation gehören in der Kodály-Methode die Handzeichen. Die Seite Notations-Symbole führt sie auf: Jede Stufe hat eine eigene Handform, die Höhe der Hand vor dem Körper zeigt zusätzlich die Tonhöhe an. Der englische Musikpädagoge John Curwen ergänzte im 19. Jahrhundert sein Tonic-Sol-fa um Handzeichen, Zoltán Kodály machte sie zum festen Bestandteil der Musikerziehung in Ungarn und weltweit.

Parallel zu den Tonsilben gibt es bei Kodály die Rhythmussprache. Der Artikel Warum Kinder Rhythmus über Sprache lernen nennt die Silben „ta“ für die Viertel und „ti-ti“ für zwei Achtel und hebt hervor, dass sie sprachunabhängig sind.

Inneres Hören

Die Seite Gehörbildung hält fest: Wer Melodien in Solmisationssilben singen kann, verbindet Gehör, Stimme und Theorie zu einer Einheit. Genau das macht das innere Hören aus, eine Melodie im Kopf klingen zu lassen, bevor man sie spielt. Die Seite Klang-Spektrum beschreibt Do-Re-Mi und feste Klangfarben als Wege, Tonhöhen greifbar und besser merkbar zu machen.

Häufige Fehler

  • Do mit c gleichsetzen: Das gilt nur für C-Dur. In jeder anderen Tonart wandert das do mit dem Grundton.
  • Silben und Notennamen vermischen: „Fa“ ist die vierte Stufe, nicht der Ton f. Spricht man vom Ton, sagt man f.
  • Das ti nicht zum do führen: Der Zug des ti nach oben ist der Kern des Systems. Wer ihn ignoriert, singt unrein.