Si
Siebte Silbe der Solmisation.
Was es bedeutet
Si ist die siebte Silbe der Solmisation. Sie gehörte nicht zum ursprünglichen Bestand, denn das mittelalterliche Hexachordsystem kam mit sechs Silben aus; sie wurde erst ergänzt, als man die siebenstufige Oktave durchgehend benennen wollte. Ihr Name wird aus den Anfangsbuchstaben von „Sancte Iohannes“ erklärt, den Schlussworten des Hymnus Ut queant laxis, dem auch die übrigen Silben entnommen sind. Wer die Silbe einführte und wann, ist nicht gesichert. Beim festen Do ist sie ein absoluter Tonname und entspricht dem deutschen H — nicht dem deutschen b, der dort si bemolle beziehungsweise si bémol heißt.
Musikalische Verwendung
Im romanischen Sprachraum ist si der gebräuchliche Name für diesen Ton, und das ist beim Übertragen die wichtigste Auskunft: Eine Tonartangabe si minore meint h-Moll, si bemolle maggiore meint B-Dur.
Sachlich bezeichnet die Silbe beim beweglichen Do die siebte Stufe der Durtonart, also den Leitton, der einen Halbton unter dem Grundton liegt und aufwärts drängt. In Moll ist diese Stufe von Natur aus einen Ganzton entfernt und wird für die Kadenz eigens erhöht; die Solmisation kennt dafür entsprechend verschiedene Silbenformen.
Weitere Bezeichnungen
In der englischsprachigen Tonic-Sol-fa-Methode heißt die siebte Silbe Ti statt Si. Die Änderung geht auf die englische Musiklehrerin Sarah Glover im 19. Jahrhundert zurück und sollte erreichen, dass jede Silbe mit einem eigenen Buchstaben beginnt; Sol und Si hätten sich sonst den Anfangsbuchstaben geteilt, was bei der abgekürzten Schreibung stört. Im deutschsprachigen Unterricht sind beide Formen anzutreffen, im romanischen Sprachraum blieb es bei si.
Spielpraxis
Achte beim Umgang mit romanischsprachigen Quellen auf die Zuordnung si gleich H. Singe die Stufe eng an den Grundton heran, wenn sie Leittoncharakter hat. Und kläre in gemischten Gruppen, ob si oder ti verwendet wird — beide meinen dasselbe.