Sul ponticello
Nahe am Steg gestrichen; ergibt einen gläsernen, obertonreichen Klang.
Was es bedeutet
Sul ponticello heißt wörtlich „auf dem Stegchen" und verlangt, den Bogen unmittelbar am Steg zu führen. Weil die Saite dort nur wenig Ausschlag hat und steifer reagiert, kommt die Grundschwingung kaum zustande; stattdessen treten hohe Teiltöne hervor. Das Ergebnis ist ein dünner, gläserner, metallisch schillernder Klang, in dem die eigentliche Tonhöhe zurücktritt und der Geräuschanteil wächst.
Im Notenbild
Die Anweisung steht kursiv über dem System, oft abgekürzt als sul pont. oder pont. Beendet wird sie mit ordinario, naturale oder einer anderen Ortsangabe. Viele Partituren des 20. Jahrhunderts zeigen den Kontaktpunkt grafisch als Linie zwischen den Polen Griffbrett und Steg, sodass ein allmählicher Farbwechsel notierbar wird.
Musikalische Verwendung
Der Klang wirkt fahl, gespannt und körperlos und wird dort verlangt, wo die Musik unwirklich oder bedrohlich werden soll. Besonders wirkungsvoll ist die Verbindung mit Tremolo: Ein ganzes Streicherregister erzeugt so ein flirrendes, kaum noch tonhaftes Rauschen. Seit dem 19. Jahrhundert gehört die Anweisung zum Standardvorrat der Instrumentation, in der Musik nach 1950 ist sie ein gewöhnliches Gestaltungsmittel geworden. Den Gegensatz bildet das weiche flautato am Griffbrett; beide zusammen spannen die Skala der Streicherfarben auf.
Weitere Bezeichnungen
Ponticello heißt wörtlich Stegchen und bezeichnet den Steg selbst; als Spielanweisung steht es verkürzt für sul ponticello. Aufgehoben wird die Anweisung mit modo ordinario oder ord.
Spielpraxis
Setze den Bogen dicht am Steg auf und halte diesen Abstand konstant; schon ein Zentimeter verändert die Farbe deutlich. Arbeite mit wenig Armgewicht und eher langsamem Bogen — Druck erzeugt hier ein unschönes Zerren. Die Ansprache ist heikel, besonders leise; gib dem Ton einen Augenblick, bis er steht. Auf den tiefen Saiten ist der Effekt kräftiger als auf der höchsten. Vibrato lässt man in der Regel weg. Im Orchester lohnt es, sich im Register auf denselben Abstand zu einigen, damit die Gruppe eine einheitliche Farbe trifft.
der Effekt mit der Saitenstärke und der Lage wechselt: Auf tiefen, dicken Saiten wirkt er kräftiger als auf der höchsten, und in tiefer Lage deutlicher als in hoher. Prüfe das und passe den Abstand zum Steg an. Nimm Armgewicht zurück und arbeite mit eher langsamem Bogen.