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Vortrag

Anschlag

Art, wie die Tasten angeschlagen werden; prägt Lautstärke und Klangfarbe.

Was es bedeutet

Anschlag bezeichnet bei Tasteninstrumenten die Art und Weise, wie eine Taste niedergedrückt wird: mit welcher Geschwindigkeit, welchem Gewicht und welcher Bewegung von Finger, Hand und Arm. Beim Klavier setzt der Anschlag über die Mechanik den Hammer in Bewegung, der die Saite anschlägt; bei der Orgel öffnet er ein Ventil, das den Wind zur Pfeife freigibt.

Pianistinnen und Pianisten unterscheiden traditionell zahlreiche Anschlagsarten, etwa gebundenen (legato), abgesetzten (staccato) oder gehaltenen (portato) Anschlag, sowie Unterschiede in Härte oder Weichheit des Tonansatzes.

Musikalische Verwendung

Der Anschlag ist das zentrale Ausdrucksmittel am Klavier, weil das Instrument über die Taste hinaus keine unmittelbare Kontrolle über den bereits erklingenden Ton erlaubt: Alles, was den Ton prägen soll, muss im Moment des Anschlags entschieden werden. Über die Anschlaggeschwindigkeit steuert man die Lautstärke, über die Verteilung des Anschlags auf mehrere Töne die Phrasierung.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde in der Klavierpädagogik intensiv über eine sogenannte Anschlagslehre gestritten: Manche Lehrer behaupteten, unterschiedliche Anschlagsarten (etwa ein „singender“ gegenüber einem „perlenden“ Anschlag) erzeugten bei gleicher Lautstärke unterschiedliche Klangfarben. Physikalisch lässt sich das nicht bestätigen — am freischwingenden Hammer bestimmt allein seine Auftreffgeschwindigkeit auf die Saite die Lautstärke, unabhängig davon, wie sie zustande kam. Klangliche Unterschiede entstehen jedoch mittelbar, etwa durch Nebengeräusche der Mechanik, durch die Behandlung des Pedals oder durch minimale zeitliche Verschiebungen zwischen den Tönen eines Akkords.

Abzugrenzen ist der Anschlag von der Artikulation, die festlegt, wie Töne miteinander verbunden oder getrennt werden, während der Anschlag beschreibt, wie der einzelne Ton hervorgebracht wird. Bei der Orgel bezeichnet man mit Ansprache eher das prompte Erklingen des Tons, während Anschlag dort seltener gebraucht wird.

Spielpraxis

Achte beim Üben darauf, dass die gewünschte Lautstärke aus der Geschwindigkeit der Fingerbewegung kommt, nicht aus bloßem Druck nach dem Kontakt mit der Taste, denn nach dem Loslassen des Hammers kannst du den Ton nicht mehr beeinflussen. Höre bewusst hin, ob unterschiedliche Anschlagsgefühle wirklich zu unterschiedlichen Klängen führen oder ob der Unterschied allein aus Timing und Pedalgebrauch entsteht.

Übe Legato-, Staccato- und Portato-Anschlag getrennt, bevor du sie kombinierst, und arbeite an einer entspannten Hand- und Armhaltung, damit du auch bei schnellen oder lauten Passagen kontrolliert anschlägst statt zu verkrampfen.