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Theorie

Arsis

Hebung im rhythmischen Auf-Ab des Taktes.

Was es bedeutet

Arsis und Thesis bezeichnen das Paar von Hebung und Senkung, aus dem sich der rhythmische Ablauf aufbaut. Die Begriffe stammen aus der antiken Verslehre und wurden von dort in die Musiklehre übernommen. Arsis meint dabei die leichtere, hinführende Hälfte, Thesis die schwerere, zielende — in heutiger Sprache etwa das Verhältnis von Auftakt und betonter Zählzeit.

Die Zuordnung ist in der Überlieferung nicht einheitlich. Wer den Begriff in der Literatur antrifft, sollte deshalb prüfen, in welchem Sinn der jeweilige Autor ihn verwendet.

Musikalische Verwendung

Der Gedanke dahinter ist grundlegender als die Terminologie: Musik verläuft nicht als Kette gleichgewichtiger Ereignisse, sondern in Bewegungen von einem Punkt zu einem anderen. Töne führen hin oder klingen ab; eine Phrase hat ein Ziel. In der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Musiklehre war das Begriffspaar an die Schlagbewegung des Tactus gebunden, bei der Senkung und Hebung der Hand zusammen eine Einheit bildeten. In der Choralforschung des 19. und 20. Jahrhunderts spielte es erneut eine Rolle, als es darum ging, wie der Vortrag des liturgischen Gesangs zu gliedern sei — auch dort werden die Begriffe nicht einheitlich gebraucht.

Die Bedeutung von Arsis und Thesis hat sich im Laufe der Geschichte umgekehrt. In der griechischen Rhythmuslehre bezeichnete Arsis das Heben des Fußes beim Gehen oder Tanzen, also den leichten Teil, Thesis das Aufsetzen, den schweren Teil; so beschreibt es noch Bakcheios im 4. Jahrhundert n. Chr. Römische Grammatiker wie Marius Victorinus bezogen die Wörter auch auf das Heben der Stimme, und in der Verslehre meint Arsis seither oft den betonten Teil. In der Musiktheorie gilt dagegen die ursprüngliche Bedeutung: Arsis ist der Auftakt, die leichte Zeit. Der Altphilologe Martin West empfahl wegen dieses Widerspruchs, die Begriffe in der Verslehre zu meiden.

Spielpraxis

Denke beim Üben in Zielen statt in Einzeltönen: Frage dich bei jeder Gruppe, welcher Ton das Gewicht trägt und welche zu ihm hinführen. Nimm hinführende Töne leichter und lass sie drängen, statt sie zu betonen. Bei auftaktigen Phrasen gilt besonders, dass der Auftakt zur folgenden Zählzeit gehört und nicht zum vorangehenden Takt — wer ihn schwer nimmt, zerschneidet die Linie.