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Theorie

Metrik

Die Metrik ist die Lehre vom Versmaß. Sie beschreibt, wie betonte und unbetonte Silben einander ablösen, und lässt sich auf die Musik übertragen: Ein Versfuß entspricht einer kleinen Gruppe aus einem betonten und einem oder zwei unbetonten Schlägen, also einem Taktmotiv.

Gegenstand
Anordnung betonter und unbetonter Silben oder Schläge
Kleinste Einheit
der Versfuß
Vier Grundfüße
Jambus, Trochäus, Daktylus, Anapäst
Verwandt
Metrum und Takt

Silben und Schläge

Die Metrik stammt aus der Verslehre. Ein Vers besteht aus Silben, und die deutsche Verslehre ordnet sie danach, ob sie betont oder unbetont sind. Eine kleine, wiederkehrende Gruppe nennt man Versfuß. Die Musik kennt dasselbe Prinzip: Auch im Takt wechseln betonte und unbetonte Schläge. Deshalb teilen sich beide Lehren den Begriff Metrik, und deshalb lassen sich Versfüße direkt in Noten schreiben. Die Beispiele unten verwenden dafür lange Noten für betonte und kurze für unbetonte Silben.

Trochäus: betont – unbetont

3 8

Eine lange, betonte Note, dann eine kurze, unbetonte: Viertel und Achtel. Der Schwerpunkt fällt auf die erste Zählzeit des Takts. Wort-Beispiele: „Liebe“, „Noten“.

Jambus: unbetont – betont

3 8

Eine kurze, unbetonte Note, dann eine lange, betonte. Als Takt geschrieben beginnt das Motiv mit einem Auftakt, die betonte Note steht auf der ersten Zählzeit des folgenden Takts. Der letzte Takt ist entsprechend kürzer: Auftakt und Schlusstakt ergeben zusammen einen vollen Takt. Wort-Beispiele: „Gesang“, „Musik“.

Daktylus: betont – unbetont – unbetont

2 4

Eine betonte Viertelnote, zwei unbetonte Achtel. Das Motiv füllt genau einen Zweiviertel-Takt. Wort-Beispiel: „Nachtigall“.

Anapäst: unbetont – unbetont – betont

2 4

Zwei unbetonte Achtel, dann eine betonte Viertelnote, mit zwei Achteln als Auftakt vor dem ersten Takt. Der Schlusstakt besteht nur aus der betonten Viertelnote, die den Auftakt zu einem vollen Takt ergänzt. Wort-Beispiele: „Melodie“, „Instrument“.

Die vier Grundfüße

Man unterscheidet vier Versfüße. Zwei davon haben zwei Silben: der Trochäus mit betonter erster, der Jambus mit betonter zweiter Silbe. Zwei haben drei Silben: der Daktylus, bei dem die erste betont ist, und der Anapäst, bei dem die letzte betont ist. Die Tabelle fasst sie zusammen.

VersfußBetonungIm NotenbildWortbeispiel
Trochäusbetont – unbetontViertel + AchtelNoten
Jambusunbetont – betontAchtel + Viertel (mit Auftakt)Gesang
Daktylusbetont – unbetont – unbetontViertel + 2 AchtelNachtigall
Anapästunbetont – unbetont – betont2 Achtel + Viertel (mit Auftakt)Melodie

Die antike Verslehre bestimmt Versfüße nach der Länge der Silben, kurz und lang. Die deutsche Dichtung ordnet sie nach der Betonung. Die Notenwerte der Beispiele sind deshalb eine musikalische Übersetzung, kein Messwert: Betonte Silben sind lang gesetzt, weil das für das Ohr natürlich klingt.

Was das mit dem Takt zu tun hat

In der Musik fällt der Schwerpunkt eines Takts auf die erste Zählzeit. Trochäus und Daktylus passen deshalb ohne Umweg in einen Takt: Die betonte Silbe steht auf der Eins. Jambus und Anapäst beginnen dagegen mit einem Auftakt, siehe Auftakt. Das zeigen das zweite und das vierte Beispiel: Ihr erster Takt ist unvollständig, und der letzte Takt ergänzt ihn.

Zum Üben: Sprich die vier Wortbeispiele laut und klopfe dazu den Schwerpunkt. Dann klopfe die Notenbeispiele mit. In der Übung Rhythmus-Diktat hörst du Rhythmen und schreibst sie auf.

Häufige Fehler

  • Silbenzahl mit Betonung gleichsetzen: Jambus und Trochäus haben beide zwei Silben, nur die Betonung wechselt.
  • Den Auftakt als eigenen Takt zählen: Er gehört mit dem letzten Takt zusammen, siehe die Auftaktseite.
  • Metrik mit Rhythmus gleichsetzen: Das Metrum ist das Schema, der Rhythmus die konkrete Ausführung darüber.