Blues
US-amerikanische 12-taktige Liedform.
Was es bedeutet
Der Blues ist eine Musikform afroamerikanischen Ursprungs, die um 1900 im Süden der USA aus Arbeitsliedern, Spirituals und Balladen entstand. Das Wort bezeichnet zugleich eine Stimmung — gedrückt, melancholisch — und eine feste musikalische Form.
Die bekannteste Gestalt ist das zwölftaktige Schema. Es beruht auf den Hauptfunktionen der Tonart: Tonika, Subdominante und Dominante in einer festen Folge über zwölf Takte. Diese Folge wird immer wieder durchlaufen und bildet das Gerüst für Gesang und Improvisation. Neben dem zwölftaktigen Blues gibt es Varianten mit acht oder sechzehn Takten.
Charakteristisch sind außerdem die sogenannten Blue Notes: Töne, deren Tonhöhe zwischen der großen und der kleinen Terz, Septime oder Quinte schwebt und die durch Biegen und Gleiten erzeugt werden. Sie geben dem Blues seine eigene Färbung, die sich mit dem Dur-Moll-System nicht ganz fassen lässt.
Im Notenbild
Der Blues wird häufig nicht vollständig notiert, sondern über Akkordsymbole und eine Melodie in einem Leadsheet festgehalten. Die Blue Notes erscheinen im Notenbild als erniedrigte Töne, ihre tatsächliche Intonation bleibt dem Ausführenden überlassen. Der Rhythmus wird oft in geraden Achteln notiert, aber ungleich — mit Swing — gespielt.
Musikalische Verwendung
Der Blues ist eine der Grundlagen des Jazz, des Rhythm and Blues und der Rockmusik. Seine Form dient im Jazz als eines der wichtigsten Improvisationsmodelle. Auch Komponisten der Kunstmusik haben Elemente des Blues aufgegriffen.
Zu den prägenden Musikern zählen W. C. Handy, der den Blues ab 1912 in Notenausgaben verbreitete (Memphis Blues, 1912; St. Louis Blues, 1914), sowie Bessie Smith, Robert Johnson und später Muddy Waters. Charakteristisch ist zudem das Frage-Antwort-Muster (Call and Response) zwischen Stimme und Instrument.
Spielpraxis
Lerne das zwölftaktige Schema auswendig, bevor du darüber improvisierst. Höre Aufnahmen, um Intonation und Phrasierung der Blue Notes kennenzulernen. Spiele die Achtel mit Swing, sofern nichts anderes gemeint ist. Und nimm dir Freiheit im Ausdruck — der Blues lebt von der persönlichen Gestaltung.