Diple
Mittelalterliches Wiederholungszeichen.
Was es bedeutet
Diple bezeichnet ein Zeichen mittelalterlicher Handschriften, das in Notentexten als Hinweis auf eine Wiederholung gedeutet wird. Der Name geht auf ein Zeichen der antiken und mittelalterlichen Schreibpraxis zurück, das ursprünglich am Rand von Texten Verweisfunktion hatte. Die Verwendung im musikalischen Zusammenhang ist nicht einheitlich überliefert, und Bedeutung wie Reichweite schwanken je nach Quelle.
Im Notenbild
Beschrieben wird das Zeichen als ein kleiner Winkel oder Doppelstrich, der am Rand oder über der betreffenden Stelle steht und anzeigt, dass der folgende oder vorangehende Abschnitt noch einmal auszuführen ist. Eine feste, über alle Handschriften hinweg gültige Form hat es nicht; wer mit solchen Quellen arbeitet, ist auf die Angaben des jeweiligen Herausgebers angewiesen. Vom modernen Wiederholungszeichen — Doppelstrich mit zwei Punkten — unterscheidet es sich sowohl in der Gestalt als auch in der Verbindlichkeit: Dieses ist eindeutig und normiert, jenes bleibt auslegungsbedürftig.
Musikalische Verwendung
Der Sinn solcher Zeichen liegt in der Ökonomie der Handschrift: Pergament war teuer, und eine wiederkehrende Melodiezeile — etwa in strophisch angelegten geistlichen Gesängen oder in Refrainformen — musste nicht zweimal geschrieben werden. In der praktischen Auswertung heutiger Ausgaben erscheinen solche Stellen meist ausgeschrieben, sodass der Leser die zugrunde liegende Markierung gar nicht mehr sieht; der Kritische Bericht vermerkt dann, wo im Original ein Kürzel stand.
Als Zeichen stammt die Diple aus der antiken Textkritik, wo sie am Rand Hinweise auf bemerkenswerte Stellen gab. In musikalischen Handschriften des Mittelalters wurde sie unterschiedlich verwendet. Die Deutung im Einzelfall hängt deshalb von der Quelle ab. ## Spielpraxis
Wenn dir der Begriff in einem Herausgeberbericht begegnet, prüfe, welche Wiederholung die Ausgabe daraus abgeleitet hat und ob sie als gesichert oder als Vorschlag gekennzeichnet ist — bei strophischen Stücken entscheidet das über die Form des ganzen Vortrags. Verlasse dich für die Einstudierung auf den ausgeschriebenen Notentext der Ausgabe und halte Rücksprache mit der Ensembleleitung, bevor du eine Wiederholung eigenmächtig zufügst oder streichst.