Durchkomponiert
Lied, das jede Strophe neu vertont, statt die Melodie zu wiederholen.
Was es bedeutet
Ein durchkomponiertes Lied vertont jede Strophe des Textes mit eigener, neu erfundener Musik, statt eine einmal komponierte Melodie für alle Strophen zu wiederholen. Die musikalische Gestaltung kann sich so bei jeder Strophe individuell an Stimmung, Bildern und Ereignissen des Textes ausrichten.
Musikalische Verwendung
Das durchkomponierte Lied entwickelte sich vor allem im deutschen Kunstlied des 19. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Form, da Komponisten wie Franz Schubert damit auf inhaltliche und dramatische Wendungen eines Gedichts musikalisch unmittelbar reagieren konnten, etwa auf einen Stimmungsumschwung innerhalb einer Ballade. Bekannte Beispiele finden sich in vielen Balladenvertonungen sowie in Liedzyklen, in denen einzelne Lieder selbst durchkomponiert angelegt sind.
Abzugrenzen ist das durchkomponierte Lied vom Strophenlied, das dieselbe Melodie für alle Strophen verwendet und dadurch eine schlichtere, oft volksliedhafte Wirkung erzielt. Manche Lieder nehmen eine Zwischenform ein, indem sie einzelne musikalische Elemente wiederholen, aber dennoch strophenübergreifend neue Abschnitte einfügen, und werden je nach Ausprägung dem einen oder anderen Typ zugeordnet.
Spielpraxis
Vergleiche beim Erarbeiten eines durchkomponierten Liedes die musikalische Gestaltung jeder Strophe genau mit ihrem Text, um herauszufinden, welche Wortstellen die Musik besonders hervorhebt. Da keine wiederkehrende Melodie als Orientierung dient, präge dir Formverlauf und Tonartwechsel bewusst ein, statt dich beim Vortrag auf ein wiederholtes Grundmuster zu verlassen.