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Form

Ballade

Das Wort „Ballade“ meint in der Musik mehr als eine Sache. Ursprünglich bezeichnete es ein Tanzlied; später ist es ein erzählendes Gedicht, das oft vertont wurde. Im 19. Jahrhundert kommt das Instrumentalstück dazu, meist für Klavier, und heute nennt man auch langsame Songs in Jazz und Pop so. Welche Bedeutung gemeint ist, zeigt der Zusammenhang.

Bedeutung 1
erzählendes Gedicht oder Lied (Volksballade, Kunstballade)
Bedeutung 2
Instrumentalstück, vor allem für Klavier
Bedeutung 3
langsamer Song in Jazz und Popmusik
Wortherkunft
englisch ballad, altfranzösisch balade, „Tanzlied“

Drei Bedeutungen, ein Wort

Als Gedicht erzählt eine Ballade ein handlungsreiches, oft tragisch endendes Geschehen. Als Komposition aus Jazz und Popmusik ist sie in langsamem oder gemäßigtem Tempo gehalten, meist in der Form eines Liedes. Dazu kommt die Instrumentalballade. Das Wort geht über englisch „ballad“ und altfranzösisch „balade“ (Tanzlied) auf das Provenzalische zurück. Es stammt aus der okzitanischen Trobadordichtung des Mittelalters, in der es ursprünglich eine Gattung des Tanzliedes bezeichnete.

Beim erzählenden Gedicht unterscheidet man Volksballade und Kunstballade. Viele Balladen sind vertont worden. Die Instrumentalballade ist eine Gattung der Klaviermusik des 19. Jahrhunderts, die wie das Charakterstück oder das Lied ohne Worte formal nicht festgelegt ist.

BedeutungMerkmaleBeispiel im Notenarchiv
Erzählendes Gedicht oder Lied Volksballade und Kunstballadehandlungsreiches, oft tragisch endendes Geschehen; viele Balladen wurden vertont„Es waren zwei Königskinder“, „Lindormen“
Instrumentalstück vor allem Klavier, 19. Jahrhundertformal nicht festgelegtBurgmüller: „Ballade“ op. 100 Nr. 15
Song in Jazz und Pop Popballadegemäßigtes oder langsames Tempo, meist die Form eines Liedes–

Wie das im Notenarchiv aussieht

Alle drei Stücke unten tragen das Wort auf dem Blatt („Lindormen“ auf Englisch: „ballad“), aber sie sind sehr verschieden gebaut. Das Klavierstück von Burgmüller hat keinen Text. Im Notenbild gliedert es sich in einen Anfangsteil, einen Mittelteil „dolce“ ab Takt 31 und die Wiederkehr der Anfangsfigur gegen Ende der Seite. „Es waren zwei Königskinder“ ist dagegen ein Strophenlied: Eine Melodie trägt viele Strophen, die eine Geschichte erzählen. Für die Klavierballade gibt es keine feste Form.

3/8-Takt: drei Achtel oben, ab Takt 3 Sechzehntel unten

3 8 p misterioso

Ein eigenes Beispiel in der Bauart von Burgmüllers „Ballade“: Drei kurze Achtel füllen einen 3/8-Takt, in den Takten 1 und 2 pausiert die tiefe Stimme. In Takt 3 setzt sie mit sechs Sechzehnteln unter einem Bogen ein, sechs Sechzehntel ergeben ebenfalls einen 3/8-Takt.

Instrumentalstück

  • Ballade Friedrich Burgmüller (1806–1874), aus: 25 leichte Etüden, op. 100 Nr. 15 · Klavier · 1 Seite

    Über dem ersten System steht „Allegro con brio“, unter Takt 1 „misterioso“. 3/8-Takt, drei ♭ vorgezeichnet, Beginn mit p. In den Takten 1 und 2 spielt die rechte Hand staccato drei Achtelakkorde, die linke Hand pausiert; ab Takt 3 läuft links ein Bogen aus Sechzehnteln. In Takt 31 steht „dolce“ und die Vorzeichnung wechselt zu keinem Vorzeichen; im letzten Takt des vierten Systems kehren die drei ♭ und die Akkordfigur vom Anfang zurück, jetzt mit pp.

Erzählendes Lied

Abgrenzung zur Romanze

Beide Wörter bezeichnen erzählende Lieder und werden oft als Synonyme gebraucht. Die Romanze kann ursprünglich als die spanische Variante der Volksballade gelten; auf der Seite zur Romanze steht mehr dazu.

Zum Üben: Spiele die ersten beiden Takte der Notenzeile oben mit kurzen, leichten Anschlägen und zähle „eins – zwei – drei“, ein Achtel je Zahl. Ab Takt 3 zählst du „eins-und-zwei-und-drei-und“, auf jede Silbe ein Sechzehntel: Sechs Töne sind ein Takt. Erst wenn beide Hände unabhängig laufen, lohnt sich das Stück von Burgmüller.

Häufige Fehler

  • Ballade mit Gedicht gleichsetzen: Auf einem Notenblatt kann „Ballade“ ein Instrumentalstück ohne jeden Text bedeuten.
  • 3/8 wie 3/4 zählen: Der 3/8-Takt hat drei Achtel pro Takt, nicht drei Viertel.
  • Das Staccato überhören: Die Achtelakkorde am Anfang von Burgmüllers Stück tragen Punkte und stehen im p. Lang und laut gespielt, klingen sie anders als notiert.