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Form

Etüde

Eine Etüde (französisch étude, „Studium“) ist ein Instrumentalstück, an dem man eine bestimmte Spieltechnik übt. Anders als eine reine Fingerübung ist sie ein vollständiges Stück mit Harmonieverlauf und Schluss. Manche Etüden werden auch als Vortragsstücke gespielt.

Bedeutung
Stück zum Üben eines technischen Problems
Wort
französisch étude, eigentlich „Studium, Studie“
Im Notenarchiv
42 Blätter „Etüde Nr. …“ von Aguado, Carcassi, Giuliani und Sor
Zum Vergleich
Fingersatz

Ein Problem, ein Stück

Eine Etüde ist ein Übungs-, Vortrags- oder Konzertstück, das spezielle Schwierigkeiten enthält. Im Mittelpunkt steht meist ein kurzes spieltechnisches Problem, das im Stück häufig wiederholt wird: eine Zerlegungsfigur, ein Griffwechsel, ein Akkordspiel. Wer die Etüde übt, kann dieses eine Problem gezielt trainieren, statt es in jedem neuen Stück wieder zu suchen.

Eine Figur, die den ganzen Takt trägt

8 4 4

Eigenes Beispiel im Bauplan von Giulianis Etüde Nr. 1: In jedem Halbtakt folgen auf eine Achtelpause sechs Sechzehntel, darunter hält der Bass eine Viertel. Die Rhythmusfigur bleibt gleich, nur die Töne richten sich nach dem Akkord (C, dann G). Die Noten sind in Gitarrenlage notiert: Die kleine 8 am Schlüssel heißt, dass es eine Oktave tiefer klingt, als es im Notenbild steht.

Etüde und Fingerübung

Eine Fingerübung wiederholt eine Bewegung, bis sie sicher sitzt. Eine Etüde stellt dieselbe Aufgabe in ein vollständiges Stück: Sie hat einen Anfang, einen Harmonieverlauf und einen Schluss. Bei Giuliani zeigt sich das gut. Die Rhythmusfigur ist in den Takten 1 bis 9 dieselbe, aber die Akkorde darunter wechseln, und im zehnten Takt kommt das Stück mit einem Schlussakkord zum Stehen. Darum lassen sich Etüden auch vorspielen, nicht nur üben.

Drei Etüden im Vergleich

Im Notenarchiv liegen 42 Blätter mit dem Titel „Etüde Nr. …“. Drei davon stehen hier nebeneinander. Sie stellen ganz verschiedene Aufgaben: Bei Giuliani trägt eine einzige Figur das ganze Stück, bei Sor stehen Akkordgriffe mit Fingersatzziffern im Mittelpunkt, bei Carcassi verbinden sich zerlegte Akkorde mit Lautstärkeangaben und einem Ritardando am Schluss.

Etüde im ArchivTaktTempo- und VortragsangabeVorzeichenWas im Notenbild auffällt
Giuliani, op. 100 Nr. 14/4„Cadence. Maestoso.“keineIn den Takten 1–9 in jedem Halbtakt dieselbe Rhythmusfigur, nur die Akkorde wechseln; Takt 10 ist der Schlussakkord
Sor, op. 35 Nr. 112/4„Allegretto.“ein ♭Akkordgriffe mit Fingersatzziffern über die ganze Seite
Carcassi, op. 60 Nr. 124/4„Andante mosso.“zwei KreuzeZerlegte Akkorde mit Fingersätzen, dazu p, mf, f, cresc., dim., ritard. und ein Wiederholungszeichen

Drei Etüden für Gitarre

Zum Üben: Frag dich zuerst, welche Aufgabe die Etüde stellt: die Figur, der Griff oder der Fingersatz. Spiele dann nur zwei Takte, ganz langsam, und achte darauf, dass die Aufgabe jedes Mal gleich gelöst wird. Erst danach kommt das Tempo.

Häufige Fehler

  • Zu früh schnell spielen: Eine Etüde übt Sicherheit. Schnell wird sie erst, wenn die Bewegung langsam stimmt.
  • Fingersätze überspringen: Bei Sor und Carcassi gehören die Ziffern zur Aufgabe. Wer andere Finger nimmt, übt meist etwas anderes.
  • Etüde und Übung gleichsetzen: Die Etüde ist ein ganzes Stück mit Schluss; gespielt wird sie auch dann, wenn die Technik längst sitzt.