Falsobordone
Akkordischer Psalmsatz der Renaissance.
Was es bedeutet
Falsobordone ist ein schlichter, akkordischer Satz für den Vortrag von Psalmen und anderen liturgischen Texten, der im 16. Jahrhundert besonders in Italien und Spanien verbreitet war. Die Stimmen bewegen sich gemeinsam im Note-gegen-Note-Satz und folgen dabei dem Aufbau der Psalmformel: Auf einem gleichbleibenden Akkord wird der Text rezitiert, an den Versenden stehen kurze kadenzierende Wendungen.
Musikalische Verwendung
Der Satz überträgt das Prinzip des einstimmigen Psalmtons in die Mehrstimmigkeit. Wie beim einstimmigen Vortrag gibt es einen Rezitationsabschnitt, auf dem beliebig viele Silben gesungen werden können, und eine melodisch bewegte Schlussformel. Im Notenbild wird der Rezitationsakkord oft nur als einzelner langer Wert ohne festen Rhythmus geschrieben, und die Sänger verteilen die Silben nach dem Sprachfluss.
Die Vorzüge liegen in der Textverständlichkeit und in der Einfachheit: Der Satz ist rasch zu erlernen, lässt sich auf beliebige Verse übertragen und erfüllt zugleich das Bedürfnis nach festlicher Mehrstimmigkeit. Häufig wechselt er im Vortrag mit einstimmigen Versen ab. Die Oberstimme trägt dabei oft die Psalmformel, doch das ist nicht zwingend.
Der Name ist mit dem Faux-Bourdon verwandt, bezeichnet aber etwas anderes. Der Faux-Bourdon ist eine ältere Satzweise mit parallel geführten Sextakkorden über einer vorgegebenen Melodie; der Falsobordone ist ein akkordischer Rezitationssatz, der sich nicht an Parallelführung bindet und Grundstellungsakkorde bevorzugt.
Der Satz entstand im späten 15. Jahrhundert in Italien und Spanien zum Vortrag von Psalmen und Magnificat im Gottesdienst. Die Stimmen singen den Text auf einem gehaltenen Akkord in freiem Sprechrhythmus und treffen sich an den Zeilenenden zu einer Kadenz. Der Name bezieht sich auf den Fauxbourdon, doch der Satz ist grundständig und vierstimmig und hat mit dessen Sextparallelen wenig gemein. ## Spielpraxis
Rezitiere den Text auf dem liegenden Akkord im natürlichen Sprachrhythmus und gemeinsam — nicht jede Stimme für sich. Gestalte die Kadenzwendungen an den Versenden ruhig und gemeinsam atmend. Und achte darauf, dass der Rezitationston nicht absinkt; das ist die häufigste Schwierigkeit.