Tonus
Lateinisch für Ton.
Was es bedeutet
Tonus ist das lateinische Wort für Ton und begegnet in der Musiklehre in mehreren Bedeutungen, die auseinanderzuhalten sind. Es bezeichnet erstens den einzelnen Ton, zweitens den Ganztonschritt — im Unterschied zum semitonus, dem Halbton —, drittens einen Modus, weshalb die Kirchentonarten auch als toni gezählt werden, und viertens eine Rezitationsformel des liturgischen Gesangs.
Musikalische Verwendung
Die vierte Bedeutung ist die für die Praxis greifbarste. Als Psalmton bezeichnet tonus die Formel, nach der ein Psalm oder eine liturgische Lesung vorgetragen wird: eine Eröffnung, ein Rezitationston, auf dem der Text gesprochen-gesungen wird, eine Zäsur in der Mitte des Verses und eine Schlussformel. Zu jedem Modus gehört ein solcher Ton, und die Schlussformeln haben mehrere Varianten, damit der Anschluss an die folgende Antiphon passt.
Die dritte Bedeutung erklärt, warum von acht toni die Rede ist, wenn das System der Kirchentonarten gemeint ist — vier authentische und vier plagale, bestimmt durch Finalis und Ambitus.
Die zweite Bedeutung findet sich in der Beschreibung von Tonleitern und Intervallen; die lateinische Redeweise begegnet dort vor allem in älterer Theorieliteratur und in wissenschaftlichen Darstellungen.
Wer den Begriff in einer Quelle antrifft, muss deshalb zuerst prüfen, welche der Bedeutungen gemeint ist — der Zusammenhang entscheidet.
Im Mittelalter bezeichnete tonus sowohl einen Ganztonschritt als auch einen Modus, also eine Kirchentonart. Die acht Kirchentöne wurden als tonus primus bis tonus octavus gezählt. Daneben meinte tonus in der Psalmodie das Rezitationsmodell, nach dem ein Psalm gesungen wird, mit Initium, Tenor, Mediatio und Terminatio. Die Mehrdeutigkeit des Wortes ist beim Lesen mittelalterlich ## Spielpraxis
Wenn du liturgische Gesänge einstudierst, übe die Psalmformel getrennt vom Text: Erst die Wendungen sicher singen, dann den Text darauflegen. Der Rezitationston verlangt gleichbleibende Tonhöhe bei natürlichem Sprachfluss — die häufigste Schwierigkeit ist, dass er allmählich absinkt. Und richte die Betonung nach dem Wort, nicht nach einem Taktmaß.