Guidonische Hand
Mittelalterliche Merkhilfe, die die Tonsilben den Fingergliedern zuordnet.
Was es bedeutet
Die Guidonische Hand ist eine mittelalterliche Merkhilfe für das Singen: Die Tonsilben und Tonstufen des Tonsystems werden den Fingergliedern und Fingerspitzen der linken Hand zugeordnet. Zeigt der Lehrer auf ein bestimmtes Glied, weiß der Sänger, welche Tonstufe und Silbe gemeint ist.
Musikalische Verwendung
Die Hand wird Guido von Arezzo (um 990 bis nach 1033) zugeschrieben, der als Musiktheoretiker die Solmisationssilben ut, re, mi, fa, sol, la einführte und das Vom-Blatt-Singen erleichtern wollte. Die uns bekannte Gestalt der Hand entstand vermutlich erst später, im 12. Jahrhundert, und wurde bis in die Renaissance im Unterricht verwendet. Sie ordnet die Töne vom tiefen G bis zum hohen e² an den Fingergelenken an.
Abzugrenzen ist die Guidonische Hand von den heutigen Kodály-Handzeichen, bei denen Handbewegungen im Raum Tonstufen zeigen, und von der Notenschrift selbst, die sie ergänzen sollte. Sie war ein reines Lernmittel des Gesangsunterrichts, kein Notationssystem.
Spielpraxis
Probiere die Idee mit einer eigenen Handfläche aus: Ordne Tonstufen den Fingergliedern zu und zeige beim Singen auf das entsprechende Glied. So verbindest du Ton, Silbe und Raumvorstellung, wie es schon mittelalterliche Sänger taten.