Haltebogen
Verbindet zwei gleich hohe Noten zu einem Klang; die Dauern werden addiert. Nicht mit dem Bindebogen verwechseln.
Was es bedeutet
Der Haltebogen verbindet zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Noten derselben Tonhöhe zu einem einzigen Klang. Ihre Dauern werden addiert: Der Ton wird einmal angesetzt und über beide Werte gehalten.
Davon streng zu unterscheiden ist der Bindebogen, der äußerlich gleich aussieht. Er verbindet Noten verschiedener Tonhöhe und bedeutet nicht Verlängerung, sondern Legato — die Töne werden ohne Lücke aneinandergereiht, aber einzeln angesetzt. Die Regel ist einfach: Gleiche Tonhöhe heißt Haltebogen, verschiedene Tonhöhe heißt Bindebogen. Bei Akkorden kann ein Bogen zwischen zwei Noten desselben Klangs als Haltebogen wirken, während andere Stimmen neu angeschlagen werden.
Der Haltebogen ist das Mittel, um Dauern zu notieren, die sich mit einem einzelnen Notenwert nicht darstellen lassen, und um Töne über den Taktstrich hinweg zu halten.
Im Notenbild
Der Bogen verläuft von Notenkopf zu Notenkopf, auf der dem Hals abgewandten Seite. Er kann über einen Taktstrich hinweg und über Zeilenwechsel hinweg führen; bei mehr als zwei Noten wird für jedes Paar ein eigener Bogen gesetzt. Ein Vorzeichen gilt nur für die erste Note und über den Haltebogen hinweg weiterwirkt, auch wenn der nächste Takt begonnen hat.
Musikalische Verwendung
Haltebogen und Punktierung leisten Ähnliches, doch nicht dasselbe: Der Punkt verlängert um die Hälfte des eigenen Werts, der Haltebogen erlaubt beliebige Summen. Über den Taktstrich hinweg ist der Haltebogen die einzige Möglichkeit, einen Ton weiterklingen zu lassen. Synkopen entstehen häufig dadurch, dass ein Ton auf leichter Zeit angesetzt und über die folgende schwere hinweg gehalten wird.
Weitere Bezeichnungen
Tied bzw. tie ist die englische Bezeichnung; eine gebundene Note heißt dort tied note. Da auch der Legatobogen im Englischen als Bogen (slur) bezeichnet wird, unterscheidet das Englische die beiden sprachlich genauer als das Deutsche.
Spielpraxis
Setze die zweite Note nicht neu an — das ist der häufigste Fehler und macht aus einem Klang zwei. Zähle die addierte Dauer vollständig aus, besonders über den Taktstrich hinweg. Prüfe bei jedem Bogen zuerst die Tonhöhen, um Halte- und Bindebogen zu unterscheiden. Und achte auf Vorzeichen, die über den Bogen hinweg gelten: Sie werden nach dem Taktstrich leicht übersehen.