Lagenwechsel
Wechsel der Greifhandposition.
Was es bedeutet
Der Lagenwechsel ist die Bewegung der linken Hand entlang des Griffbretts von einer Position in eine andere. Er ist nötig, sobald eine Melodie den Tonvorrat einer Lage verlässt, und er ist zugleich eine der häufigsten Ursachen für unsaubere Intonation, weil die Hand das Ziel in einer schnellen Bewegung treffen muss. Technisch unterscheidet man Wechsel auf demselben Finger, Wechsel mit Fingerwechsel und Wechsel über einen Zwischenfinger, der den Weg gleichsam vorbereitet.
Im Notenbild
Sichtbar wird ein Lagenwechsel nur indirekt, über den Fingersatz: Wiederholt sich dieselbe Ziffer bei verschiedenen Tonhöhen oder erscheint eine hohe Ziffer an unerwarteter Stelle, liegt ein Wechsel vor. Manche Ausgaben setzen einen kleinen Strich zwischen die beiden Fingerziffern, um zu zeigen, dass die Hand gleitend wandert.
Musikalische Verwendung
Lagenwechsel sind nicht nur Technik, sondern Ausdrucksmittel. Ein hörbar ausgeführter Wechsel, bei dem der Finger auf der Saite gleitet, erzeugt ein Portamento und gilt als gesanglich; in romantischer Musik ist er ausdrücklich erwünscht, in barocker und klassischer Musik eher zurückhaltend einzusetzen. Unhörbare Wechsel dagegen halten eine Linie glatt. Die Entscheidung darüber gehört zur Interpretation und wird bewusst getroffen, nicht dem Zufall überlassen.
Spielpraxis
Übe den Wechsel zuerst langsam mit dem sogenannten Zwischenton: Gleite mit dem alten Finger bis zur Zielposition, setze dann erst den neuen Finger. So lernt die Hand den Abstand. Der Daumen muss mitwandern, sonst blockiert er die Bewegung. Halte während des Wechsels den Bogendruck stabil und vermeide, ihn zum Kaschieren zu verringern — das hört man. Nutze wo möglich eine leere Saite oder einen Saitenwechsel als Deckung für den Wechsel. Prüfe bei unsicherer Intonation, ob der Wechsel selbst oder die Zielhandform das Problem ist, indem du nur die Zielstelle isoliert anspielst.
die Wahl zwischen hörbarem und unhörbarem Wechsel eine Stilfrage ist: In romantischer Musik gehört ein gesangliches Gleiten zum Ausdruck, in barocker und klassischer Musik wirkt es fremd. Entscheide bewusst und einheitlich innerhalb eines Werkes. Übe Wechsel zunächst mit Zwischenton, damit die Hand den Abstand lernt.