Manierismus
Stil zwischen Renaissance und Barock.
Was es bedeutet
Manierismus bezeichnet einen Stil des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, der zwischen Renaissance und Barock steht. Der Begriff stammt aus der Kunstgeschichte und wird auf die Musik übertragen; gemeint ist eine Kunst, die überlieferte Regeln bewusst überschreitet, Wirkung und Ausdruck über Ausgewogenheit stellt und dabei zu gesuchten, überraschenden Lösungen greift. Wie jede Epochenbezeichnung ist er eine spätere Zuschreibung und wird in der Forschung unterschiedlich verwendet.
Musikalische Verwendung
In der Vokalmusik zeigt sich das in weitgehender Chromatik, in ungewöhnlichen Akkordfolgen, in schroffen Kontrasten und in einer Textausdeutung, die bis an die Grenze der Verständlichkeit geht. Späte Madrigale des 16. Jahrhunderts enthalten harmonische Wendungen, die erst Jahrhunderte später wieder vergleichbar auftreten. Solche Musik war nicht für ein breites Publikum bestimmt, sondern für Kenner — was zur damaligen Vorstellung einer Musik für Eingeweihte passt. Von hier aus führt ein Weg zur Monodie und zum Frühbarock, doch die Verbindungslinien sind keine geraden.
Spielpraxis
Solche Musik verlangt Zeit und Ruhe: Übe chromatische Passagen langsam als Akkordfolge und arbeite an der reinen Intonation, weil die Wirkung sonst durch Unsauberkeit statt durch die Harmonik entsteht. Kläre Text und Bedeutung genau, denn die ungewöhnlichen Wendungen stehen meist an Schlüsselwörtern. Singe mit maßvollem Vibrato, damit die Zusammenklänge hörbar bleiben. Entscheide über solistische oder chorische Besetzung; in dichter Chromatik ist solistische oft klarer.
der Begriff in der Forschung uneinheitlich verwendet wird und für sehr verschiedene Erscheinungen steht: Prüfe, was ein Text jeweils damit meint, bevor du ihn übernimmst. Für die Aufführung ist die Sache wichtiger als der Name: Solche Musik verlangt Zeit, reine Intonation und genaue Textkenntnis. Übe chromatische Passagen langsam als Akkordfolge. Beachte bei Gesualdo, dass chromatische Stellen reine Intona Prüfe bei Ausgaben, ob Vorzeichen ergänzt wurden, weil die Alteration in Quellen dieser Zeit oft nicht ausgeschrieben ist.