Organistrum
Mittelalterliche Drehleier.
Was es bedeutet
Das Organistrum ist eine große mittelalterliche Form der Drehleier. Bei diesem Instrumententyp streicht ein mit Kolophonium präpariertes Rad, das über eine Kurbel gedreht wird, ständig über die Saiten; Tasten oder Stäbe verkürzen die Melodiesaite, während weitere Saiten als Bordun durchklingen. Das Organistrum ist so groß, dass es von zwei Personen bedient wurde: eine drehte die Kurbel, die andere bediente die Tasten. Dargestellt ist es vor allem in der Bauplastik des Hochmittelalters; erhaltene Originalinstrumente gibt es nicht, weshalb Nachbauten auf Bildquellen beruhen.
Musikalische Verwendung
Das Instrument gehört in den Zusammenhang des mittelalterlichen Musizierens mit Bordunklang: Über einem gleichbleibenden Grundton bewegt sich eine Melodie, die Harmonik entsteht aus der Reibung dazwischen. Da das Rad den Ton beliebig lange hält, ähnelt der Klang einem gestrichenen Instrument mehr als einem gezupften. Aus dem Organistrum entwickelten sich kleinere, von einer Person spielbare Drehleiern, die in volksmusikalischen Traditionen mehrerer Länder bis heute lebendig sind. Angaben zu Stimmung, Tastenzahl und Verwendung sind unsicher und in der Forschung nicht einheitlich.
Spielpraxis
Das Rad muss gleichmäßig gedreht werden, denn jede Unregelmäßigkeit ist als Lautstärkeschwankung hörbar; die Kurbelhand arbeitet ruhig und im gleichmäßigen Kreis. Das Rad wird regelmäßig mit Kolophonium behandelt und muss sauber und rund laufen, sonst rauscht oder eiert der Ton. Feuchtigkeit verändert die Haftung erheblich. Bei zweihändig besetzten Nachbauten ist die Abstimmung zwischen Kurbel und Tastatur die eigentliche Aufgabe: Einsätze und Artikulation müssen verabredet werden. Stimme die Bordunsaiten auf den Tonvorrat des jeweiligen Stückes ein, da ein Wechsel während des Spiels nicht möglich ist.
der Klang vollständig vom Rad abhängt: Ein ungleichmäßig laufendes oder ungleich beschichtetes Rad erzeugt Schwankungen, die sich nicht wegspielen lassen. Prüfe es vor jeder Aufführung und trage Kolophonium sparsam und gleichmäßig auf. Die Feuchtigkeit des Raumes verändert die Haftung merklich; rechne damit und plane eine Einspielzeit ein.