Bordun
Tief liegender Halteton, oft auf Tonika.
Was es bedeutet
Ein Bordun ist ein gleichbleibender, meist tiefer Halteton, der eine Melodie über längere Zeit oder ein ganzes Stück hindurch begleitet. Häufig besteht er aus dem Grundton, oft ergänzt durch die Quinte darüber. Er bildet damit einen unverrückbaren Grund, gegen den sich die Melodie abhebt.
Musikalische Verwendung
Borduninstrumente haben eine lange Geschichte und sind weltweit verbreitet. Dudelsäcke, Drehleiern, Bordunsaiten an Streich- und Zupfinstrumenten und die Tanpura in der indischen Musik erzeugen einen solchen Dauerton. In vielen Volksmusiktraditionen ist der Bordun das eigentliche harmonische Fundament: Die Musik wechselt keine Akkorde, sondern bewegt sich melodisch über einem stehenden Klang.
Die Wirkung beruht auf dem Verhältnis von Stillstand und Bewegung. Derselbe liegende Ton ist in wechselnden Augenblicken Konsonanz und Dissonanz zur Melodie, und aus diesem Wechsel entsteht Spannung und Entspannung, ohne dass sich die Harmonie ändert. Zugleich dient der Bordun als ständige Intonationshilfe: Jeder Melodieton lässt sich an ihm messen.
In der Kunstmusik erscheint der Bordun als Zitat ländlicher Musik — etwa in Pastoralen und in Sätzen, die Dudelsack oder Schalmei nachahmen.
Abzugrenzen ist der Bordun vom Orgelpunkt: Der Orgelpunkt ist ein liegender Basston unter wechselnden Harmonien und meist zeitlich begrenzt, etwa vor einem Schluss; der Bordun ist ein durchgehender Grundklang, über dem die Musik sich melodisch bewegt, oft ohne Harmoniewechsel.
Der Bordun gehört zu den ältesten Formen der Mehrstimmigkeit. Dudelsack, Drehleier und Hardangerfiedel erzeugen ihn mit eigenen Saiten oder Pfeifen, die ständig mitklingen. In der indischen Musik liefert die Tanpura einen Bordun, der die Tonart festlegt und die Intonation der Melodie leitet. Auch in der europäischen Volksmusik vieler Regionen und in mittelalterlichen Organa bildet der Halteton die Grundlage, über der sich die Melodie frei bewegt. ## Spielpraxis
Halte einen Bordun gleichmäßig und ruhig, ohne ihn zu betonen — er ist Grund, nicht Figur. Nutze ihn zum Intonieren: Wer über einem Dauerton singt oder spielt, hört jede Abweichung sofort. Und übe Tonleitern und Melodien regelmäßig über einem Bordun; das ist eine der wirksamsten Übungen für saubere Intonation.