Zum Inhalt springen
Vokal

Pneuma

Atem; auch lange Melismen im Choral.

Was es bedeutet

Pneuma ist das griechische Wort für Atem oder Hauch. In der Choralüberlieferung wird der Begriff für lange, textlose Melismen gebraucht, wie sie besonders am Ende eines Alleluja stehen; gemeint ist ein Gesang, der sich vom Wort löst und gleichsam nur noch Atem ist. Mit dem Wort Neuma, das die Zeichen der frühen Notenschrift bezeichnet, besteht eine sprachliche Nähe, die in den Quellen zu Verwechslungen führt; die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet.

Musikalische Verwendung

Textlose Melismen sind in der Liturgie keine Verzierung, sondern haben einen eigenen Rang: Sie stehen an hervorgehobenen Stellen und drücken eine Freude aus, für die Worte als unzureichend galten. Musikgeschichtlich sind sie folgenreich, weil das nachträgliche Unterlegen von Texten zu solchen Melismen zur Entstehung der Sequenz und des Tropus führte — zwei Gattungen, die im Mittelalter großen Umfang gewannen. Damit zeigt sich hier ein Verfahren, das für die Entwicklung der Musik typisch ist: Aus einer Praxis der Ausführung entsteht eine neue Form.

Spielpraxis

Gliedert lange Melismen in Abschnitte und atmet an den markierten Stellen; ein unvorbereiteter Atemzug mitten in der Linie zerstört den Zusammenhang. Halte den Vokal über die ganze Strecke gleich, damit der Klang geschlossen bleibt. Singe ohne Vibrato und mit ruhiger Tongebung und gestalte in Gruppen statt in Einzeltönen. Suche beim Üben nach wiederkehrenden Wendungen — sie erleichtern das Auswendiglernen. Angaben zur Bedeutung des Begriffs in der Literatur sind uneinheitlich und sollten an der jeweiligen Quelle geprüft werden.

die Begriffe Pneuma und Neuma in den Quellen nahe beieinanderliegen und verwechselt werden: Prüfe im Einzelfall, ob von einem Melisma oder von einem Notationszeichen die Rede ist. Für den Vortrag gilt, lange Melismen zu gliedern und an den markierten Stellen zu atmen. Informiere dich über die Neumenzeichen, die in den Quellen den Verlauf des Melismas anzeigen. Die Deutung ist in der Forschung nicht abschließend geklärt.