Reminiszenz
Unbewusste klangliche Anklänge an fremde Werke in einer Komposition, im Unterschied zur bewussten Nachahmung.
Was es bedeutet
Eine Reminiszenz (lateinisch „reminiscentia“, „Erinnerung“) ist ein klanglicher Anklang an ein anderes Werk in einer Komposition, den der Komponist nicht bewusst beabsichtigt hat. Ein Thema, eine Wendung oder ein Klang erinnert an eine bekannte Musik, weil sie dem Komponisten im Gedächtnis war. Im Unterschied dazu steht das bewusste Zitat oder die Nachahmung.
Musikalische Verwendung
Reminiszenzen sind in der Musikgeschichte häufig, denn Komponisten wachsen mit der Musik ihrer Vorgänger auf und nehmen sie unbewusst auf. Sie werden nicht als Plagiat gewertet, sondern als Zeichen einer gemeinsamen Tradition. Die Musikwissenschaft unterscheidet die Reminiszenz vom Zitat, das offen kenntlich gemacht wird, und von der Parodie, die ein Vorbild bewusst verändert. Im weiteren Sinn wird das Wort auch für das bewusste Wiederaufgreifen früherer Themen im Werk verwendet.
Abzugrenzen ist die Reminiszenz vom Leitmotiv, das gezielt einer Person oder Idee zugeordnet wird, und vom Quodlibet, das bekannte Melodien absichtlich zusammenstellt.
Spielpraxis
Wenn du in einem Werk eine Reminiszenz hörst, überlege, ob sie beabsichtigt ist oder unbewusst. Für die Interpretation ist entscheidend, ob der Komponist auf das andere Werk anspielt: Dann kannst du den Anklang betonen, sonst spielst du ihn unauffällig.