Stilkopie
Komposition im Stil eines anderen Werkes.
Was es bedeutet
Eine Stilkopie ist eine Komposition, die bewusst im Stil einer bestimmten Zeit, einer Gattung oder eines Komponisten geschrieben ist. Sie will nicht täuschen, sondern arbeitet mit den Mitteln eines fremden Idioms — sei es als Übung, als Hommage oder als künstlerisches Verfahren. Von der Fälschung unterscheidet sie sich durch die Absicht, von der Parodie dadurch, dass keine vorhandene Musik übernommen, sondern neu erfunden wird.
Musikalische Verwendung
Als Lehrmittel hat die Stilkopie einen festen Platz: Wer einen Choralsatz nach dem Vorbild einer bestimmten Epoche schreibt oder eine Fuge nach überlieferten Regeln arbeitet, lernt eine Satzweise von innen kennen, wie es durch Analyse allein nicht möglich ist. Künstlerisch begegnet das Verfahren, wo Komponisten ältere Formen und Wendungen aufgreifen, etwa im Neoklassizismus des 20. Jahrhunderts, oder wo innerhalb eines Werkes ein historischer Tonfall zitiert wird, um eine Szene oder eine Haltung zu kennzeichnen. In der Filmmusik ist das Verfahren verbreitet, wenn eine Epoche dargestellt werden soll.
Spielpraxis
Beim Schreiben einer Stilkopie hilft es, an wenigen Vorbildern genau zu arbeiten statt an vielen oberflächlich; prüfe Kadenzformeln, Stimmführungsregeln, Rhythmusmodelle und typische Wendungen. Kontrolliere das Ergebnis, indem du es mit einem Original vergleichst und nach dem suchst, was dort vorkommt und bei dir fehlt. Bei der Aufführung solcher Stücke gilt die Spielpraxis des nachgeahmten Stils — sonst bleibt die Arbeit auf dem Papier. Mach die Absicht kenntlich, wenn ein Stück als Stilkopie gedacht ist.
eine Stilkopie ihren Zweck nur erfüllt, wenn sie überprüfbar ist: Vergleiche das eigene Ergebnis mit Originalen und suche gezielt nach dem, was dort vorkommt und bei dir fehlt — Kadenzformeln, Stimmführungsregeln, Rhythmusmodelle, typische Wendungen. Arbeite dabei an wenigen Vorbildern genau statt an vielen oberflächlich. Bekannt ist Fritz Kreislers Praxis, eigene Werke als Bearbeitungen alter Meister auszugeben. Mach die Absicht kenntlich, damit das Stück nicht für ein Original gehalten wird.