Tempo giusto
Im genauen, charakteristischen Tempo.
Was es bedeutet
Tempo giusto heißt „im genauen" oder „im richtigen Tempo". Die Wendung hat zwei gebräuchliche Bedeutungen, die sich nicht immer trennen lassen.
Die erste verlangt ein streng eingehaltenes Zeitmaß: Nach einer frei gestalteten Passage, einem Rezitativ oder einer Kadenz kehrt die Musik zu geregeltem Tempo zurück. In diesem Sinn ähnelt die Angabe dem a tempo, betont aber zusätzlich die Strenge und schließt Rubato aus.
Die zweite versteht giusto als „angemessen" und meint jenes Tempo, das dem Charakter des Stücks entspricht — bei einem Marsch das Marschtempo, bei einem Tanz das Tanztempo. Steht die Wendung am Anfang eines Satzes ohne weitere Angabe, ist meist diese Bedeutung gemeint: Der Komponist verlässt sich darauf, dass die Gattung das Tempo bereits vorgibt.
Im Notenbild
Die Wendung steht kursiv über dem System, entweder am Beginn eines Satzes anstelle eines Tempoworts oder mitten im Stück nach einem freien Abschnitt. Gelegentlich erscheint sie zusammen mit einer Metronomangabe, die die Absicht dann eindeutig macht.
Musikalische Verwendung
Verwendet wird die Angabe in Musik, deren Metrum tragend ist und die deshalb keine freie Gestaltung verträgt: in tänzerischen Sätzen, in Märschen, in Musik mit Gebrauchsfunktion. Ebenso steht sie nach rezitativischen oder kadenzartigen Stellen, um den Übergang ins geregelte Zeitmaß zu markieren. In der Musik des 20. Jahrhunderts begegnet sie auch als Gegenbegriff zu Abschnitten mit freier Rhythmik.
Es bedeutet das angemessene Tempo. Es ergibt sich aus dem Charakter des Stücks. Die Angabe ist im 18. Jahrhundert verbreitet.
Spielpraxis
Verzichte auf Rubato und gestalte stattdessen über Dynamik, Artikulation und Klangfarbe. Zähle mit und prüfe gelegentlich mit dem Metronom, ob du an Phrasenenden nachgibst — dort geschieht es am häufigsten. Steht die Wendung nach einer freien Passage, nimm das geregelte Tempo sofort und vollständig. Und wenn keine weitere Angabe da ist, frage nach der Gattung: Sie enthält die Antwort, die das Wort voraussetzt.