Trecento
Italienisches 14. Jahrhundert.
Was es bedeutet
Trecento heißt wörtlich dreihundert und bezeichnet im italienischen Sprachgebrauch das 14. Jahrhundert. In der Musikgeschichte steht der Begriff für die italienische Musik dieser Zeit, die sich von der gleichzeitigen französischen Entwicklung deutlich unterscheidet — in Notation, Formen und Klangbild. Überliefert ist sie vor allem in reich ausgestatteten Handschriften, die weltliche mehrstimmige Musik sammeln.
Musikalische Verwendung
Die wichtigsten Gattungen sind das Madrigal des 14. Jahrhunderts, das mit dem späteren gleichnamigen nur den Namen teilt, die Caccia mit ihren kanonisch geführten Stimmen und die Ballata mit Refrainform. Kennzeichnend sind sangliche, verzierungsreiche Oberstimmen über wenigen Unterstimmen und ein Klangbild, das Terzen und Sexten stärker einbezieht, als es in der französischen Musik der Zeit üblich ist. Die italienische Notation dieser Zeit ist eigenständig entwickelt und unterscheidet sich von der französischen Mensuralnotation. Gegen Ende des Jahrhunderts nähern sich beide Traditionen einander an. Sie entwickelte sich parallel zur französischen Ars nova, mit eigener Notation und eigenen Gattungen.
Spielpraxis
Kläre zuerst die Besetzungsfrage, da die Quellen selten Auskunft geben und sowohl rein vokale als auch gemischte Ausführung vertreten werden; mache die Entscheidung kenntlich. Geht vom Text aus und behandelt die verzierte Oberstimme als Gesangslinie mit Atembögen. Singe mit ruhiger Tongebung und sparsamem Vibrato, damit die Zusammenklänge hörbar bleiben. Prüfe die verwendete Übertragung, weil Herausgeber bei Rhythmus und Alterationen unterschiedliche Entscheidungen treffen.
die italienische Notation dieser Zeit eigene Zeichen und Unterteilungen kennt: Moderne Übertragungen treffen Entscheidungen über Rhythmus und Alterationen, die nicht zwingend sind. Prüfe deshalb die Vorrede deiner Ausgabe und vergleiche, wenn möglich, mehrere Übertragungen. Wichtige Gattungen sind Madrigal, Caccia und Ballata. Die Hauptquelle ist der Squarcialupi-Codex. Prüfe, ob deine Ausgabe Alterationen ergänzt hat, weil die Quellen sie häufig nicht ausschreiben. Kläre außerdem die Frage der Besetzung ausdrücklich, weil rein vokale und gemischte Ausführung beide vertreten werden und den Charakter deutlich verändern.