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Vokal

Tropus

Textliche Erweiterung des Chorals.

Was es bedeutet

Ein Tropus ist eine Erweiterung eines bestehenden liturgischen Gesangs. Erweitert werden kann auf drei Arten: durch neuen Text, der einem vorhandenen Melisma unterlegt wird; durch neue Melodie mit neuem Text, die zwischen die Teile eines Gesangs tritt; oder durch Einschübe innerhalb eines Satzes. Gemeinsam ist allen, dass ein überlieferter Gesang nicht ersetzt, sondern ausgeweitet und ausgedeutet wird.

Musikalische Verwendung

Das Verfahren ist im Mittelalter weit verbreitet und musikgeschichtlich bedeutsam, weil daraus neue Formen hervorgehen. Aus der Untextierung langer Melismen entwickelte sich die Sequenz als eigene Gattung; aus dialogisch angelegten Tropen entstanden szenische Formen, die zu den Anfängen des geistlichen Spiels führen. Tropen zeigen zugleich, wie beweglich die liturgische Musik war: Ein überlieferter Bestand wurde nicht nur bewahrt, sondern fortgeschrieben. Im Zuge späterer liturgischer Reformen wurden viele Tropen wieder abgeschafft, sodass sie vor allem in Handschriften greifbar sind. Tropen entstanden ab dem 9. Jahrhundert in Klöstern wie St. Gallen und Saint-Martial. Bekannt ist der Quem-quaeritis-Tropus zum Osterintroitus, der seit dem 10. Jahrhundert belegt ist (unter anderem in Winchester) und als Ausgangspunkt des geistlichen Spiels gilt.

Spielpraxis

Bei der Aufführung ist zuerst zu klären, welcher Teil Grundgesang und welcher Tropus ist; diese Unterscheidung sollte hörbar werden, etwa durch wechselnde Besetzung von Solist und Gruppe. Gestalte die untextierten und die textierten Abschnitte in ihrer Eigenart und nicht gleichförmig. Halte Tongebung und Tempo einheitlich, damit die Erweiterung als Teil desselben Gesangs erkennbar bleibt. Prüfe die verwendete Ausgabe, weil Tropen in unterschiedlichen Fassungen überliefert sind und Herausgeber verschiedene Wege gehen. Prüfe außerdem, ob eine Handschrift den Tropus vollständig überliefert und ob der Grundgesang in deiner Ausgabe vollständig abgedruckt ist, weil er den Rahmen bildet; Ergänzungen von Herausgebern sollten kenntlich gemacht sein.