Übersetzen
Übergreifen eines Fingers über den Daumen beim Klavier.
Was es bedeutet
Übersetzen bezeichnet in der Klaviertechnik das Hinübergreifen eines Fingers über den Daumen, um eine Tonleiter oder einen Lauf ohne Unterbrechung fortzusetzen. Das Gegenstück ist der Untersatz, bei dem der Daumen unter der Hand hindurch an eine neue Stelle geführt wird.
Die beiden Bewegungen gehören zusammen und bilden das Grundgerüst des Tonleiter- und Laufspiels. Beim Aufwärtsspiel mit der rechten Hand wird der Daumen untergesetzt, beim Abwärtsspiel greifen der dritte oder vierte Finger über den Daumen. In der linken Hand kehren sich die Richtungen um.
Der Begriff wird in Lehrwerken nicht einheitlich verwendet: Manche bezeichnen mit „Übersetzen" beide Bewegungen zusammen, andere nur das Übergreifen. Oft wird das Wort ungenau für den Daumenuntersatz gebraucht; im strengen Sinn meint es jedoch die Gegenbewegung.
Im Notenbild
Übersetzen und Untersetzen werden nicht eigens notiert, sondern ergeben sich aus dem Fingersatz, der als Ziffer über oder unter den Noten steht. Ein Wechsel von einer höheren Ziffer zur 1 zeigt einen Untersatz an, ein Wechsel von der 1 zu einer höheren Ziffer ein Übersetzen.
Musikalische Verwendung
Die Technik ermöglicht es, Läufe über den Umfang einer Handstellung hinaus gebunden zu spielen. Sie wurde im 18. Jahrhundert systematisch entwickelt; ältere Fingersätze kamen teils ohne Daumen aus und arbeiteten mit dem Übereinanderschlagen benachbarter Finger. Die moderne Technik mit Daumenuntersatz setzt sich mit der Klaviermusik der Wiener Klassik durch.
Beim Übersetzen greift ein Finger über den Daumen, beim Untersetzen der Daumen unter die Hand. Beide Techniken sind nötig, um Tonleitern und Läufe ohne Unterbrechung zu spielen. ## Spielpraxis
Halte die Hand ruhig und lass den Daumen früh wandern, schon während die anderen Finger spielen. Achte darauf, dass der Wechsel nicht hörbar wird — kein Akzent, keine Lücke. Übe Tonleitern langsam mit bewusster Daumenbewegung, bevor du das Tempo steigerst. Und halte das Handgelenk locker; Verkrampfung macht den Übergang ungleichmäßig.