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Notation

Vide

\"Sieh\", Verweis auf Auslassung.

Was es bedeutet

Vide heißt „sieh" und dient im Notentext als Verweiszeichen. In der gebräuchlichsten Verwendung markiert es eine Kürzung: Das Wort wird geteilt, die erste Hälfte steht dort, wo der ausgelassene Abschnitt beginnt, die zweite dort, wo weitergespielt wird. Wer die Kürzung ausführt, springt von der einen Marke zur anderen; wer sie nicht ausführt, spielt durch. Die Schreibweise und die Verbindlichkeit solcher Zeichen sind nicht durchgehend normiert und sollten im Einzelfall an der Ausgabe geprüft werden.

Im Notenbild

Üblich sind die beiden Silben als Buchstabenpaare über dem System, ergänzt durch senkrechte Striche oder eckige Klammern, die den Anfang und das Ende des betroffenen Abschnitts markieren. Daneben begegnet das Wort als schlichter Verweis auf eine andere Stelle — auf eine Fußnote, einen Anhang, eine alternative Fassung. In Orchestermaterial sind solche Marken häufig nachträglich eingetragen und stammen dann nicht vom Komponisten, sondern von einer bestimmten Aufführung.

Musikalische Verwendung

Kürzungen gehören zur Aufführungsgeschichte vieler Werke, besonders in Oper und Ballett, wo Striche aus Gründen der Dauer, der Besetzung oder der Dramaturgie üblich waren. Gedrucktes Aufführungsmaterial trägt deshalb oft mehrere Schichten solcher Eintragungen übereinander. Für die Arbeit mit einem Werk ist es wichtig zu unterscheiden, was zum Text gehört und was die Spur einer Aufführungspraxis ist; wissenschaftliche Ausgaben trennen beides.

Abzugrenzen ist die Kürzungsmarke von der ossia-Fassung, die eine Alternative anbietet, ohne etwas wegzulassen.

Vide stammt aus dem Lateinischen und bedeutet sieh; im Notentext steht Vi- vor, -de nach dem Strich. ## Spielpraxis

Kläre im Ensemble vor der ersten Probe, welche Striche gelten, und markiere sie in allen Stimmen gleich — nichts bringt eine Probe schneller durcheinander als unterschiedlich eingetragene Kürzungen. Übe den Sprung selbst: Die Takte unmittelbar vor und nach der Marke bilden eine neue Verbindung, die im durchgespielten Text so nicht vorkommt. Und trage Striche mit Bleistift ein, damit das Material für andere Aufführungen brauchbar bleibt.