Aspirieren
Gesangsfehler: ein unbeabsichtigtes „h“ vor einem Vokal, meist bei schnellen Läufen oder Melismen.
Was es bedeutet
Aspirieren nennt man in der Gesangstechnik einen Fehler, bei dem vor einem Vokal oder Diphthong ein unbeabsichtigtes „h“ eingeschoben wird, an einer Stelle, wo es weder im Text steht noch klanglich gewollt ist. Aus einem klaren „a“ wird so ein „ha“, aus einem „o“ ein „ho“; der Gesangsfluss wird dadurch immer wieder unterbrochen.
Der Fehler tritt vor allem dann auf, wenn Sängerinnen und Sänger einen einzelnen Vokal über mehrere Töne hinweg halten müssen, sich aber nicht auf einen gleichmäßigen Atemstrom stützen. Statt den Vokal durchzuziehen, setzen sie jeden neuen Ton mit einem kleinen Kehlkopfstoß neu an, der als „h“ hörbar wird.
Musikalische Verwendung
Aspirieren begegnet vor allem in schnellen Koloraturen und Melismen, also Passagen, in denen mehrere Töne auf eine einzige Silbe fallen. Gerade in solchen Läufen verführt die schnelle Tonfolge dazu, jeden Ton einzeln mit erneutem Kehlkopfschlag anzusetzen, statt den Atem gleichmäßig fließen zu lassen.
Abzugrenzen ist das Aspirieren vom bewussten Einsatz eines h-Lautes, etwa dort, wo der Text selbst ein „h“ verlangt, sowie vom Glottisschlag, bei dem ein Vokal ohne vorausgehenden Konsonanten hart, aber ohne hörbares „h“, angesetzt wird. Beim Aspirieren dagegen entsteht der störende Laut ungewollt und gilt in der klassischen Gesangsausbildung durchweg als zu vermeidender Fehler.
Spielpraxis
Übe Melismen zunächst sehr langsam und achte darauf, den Vokal ohne Unterbrechung von Ton zu Ton zu tragen, getragen von einem gleichmäßigen, gestützten Atemstrom. Stell dir vor, der Vokal sei ein durchgehendes Band, auf dem sich nur die Tonhöhe ändert, nicht aber der Ansatz. Nimm dich testweise auf; das ungewollte „h“ lässt sich in einer Aufnahme oft deutlicher hören als im eigenen Singen.