Augmentation
Vergrößerung der Notenwerte eines Themas, meist auf das Doppelte.
Was es bedeutet
Augmentation bezeichnet die Vergrößerung der Notenwerte eines Themas oder Motivs, meist auf das Doppelte: Aus Achteln werden Viertel, aus Vierteln halbe Noten. Die Tonfolge und ihre Intervalle bleiben dabei unverändert, nur das Tempo, in dem sie erklingt, wirkt verlangsamt.
Im Notenbild
Im Notenbild zeigt sich Augmentation unmittelbar an den verlängerten Notenwerten selbst; ein eigenes Zeichen gibt es nicht. In der Mehrstimmigkeit früherer Jahrhunderte wurde die Anweisung, eine Stimme in vergrößerten Werten zu spielen, gelegentlich als Kanon-Inschrift wie per augmentationem über die Stimme notiert, statt sie vollständig auszuschreiben.
Musikalische Verwendung
Augmentation ist eine der klassischen Techniken kontrapunktischer Themenverarbeitung, neben Umkehrung und Diminution. In der Fuge erscheint sie häufig in der Schlussgruppe, wenn das Thema in vergrößerten Werten – oft im Bass – wiederkehrt und dadurch besonderes Gewicht erhält; Johann Sebastian Bach hat dieses Verfahren unter anderem in seinem späten Zyklus über ein einziges Fugenthema systematisch neben Originalgestalt, Umkehrung und Verkleinerung eingesetzt. Auch im Kanon kann eine Stimme das Thema augmentiert wiederholen, während eine andere es in den ursprünglichen Werten führt.
Abzugrenzen ist die Augmentation von der Engführung, bei der Themeneinsätze zeitlich verdichtet, nicht in ihren Notenwerten vergrößert werden; beide Verfahren treten in derselben Fuge auch gemeinsam auf. Ihr unmittelbares Gegenstück ist die Diminution, die Verkleinerung der Notenwerte.
Spielpraxis
Wenn du eine Fuge mit augmentiertem Themeneinsatz spielst oder dirigierst, hilft es, das Thema zunächst in seiner Grundgestalt zu singen, damit du seine Wiederkehr auch in der gedehnten Fassung sofort erkennst und in der Ausführung entsprechend hervorhebst.