Aulos
Antikes griechisches Rohrblattinstrument, meist paarweise gespielt.
Was es bedeutet
Der Aulos ist ein Rohrblattinstrument der griechischen Antike, meist aus zwei getrennten Pfeifen bestehend, die eine Spielerin oder ein Spieler gleichzeitig, je eine mit einer Hand, bläst. Anders als der Name „Flöte“ in älteren Übersetzungen nahelegt, entsteht der Ton nicht durch Anblasen einer Kante, sondern über ein Rohrblatt am Mundstück, ähnlich wie bei Oboe oder Klarinette.
Musikalische Verwendung
Der Aulos begleitete in der griechischen Antike nahezu jeden musikalischen Anlass: Opferhandlungen, sportliche Wettkämpfe, Trinkgelage und vor allem die Chorlieder der attischen Tragödie und Komödie. Der Spieler, Aulet genannt, band sich oft ein Lederband um Wangen und Hinterkopf, das die Wangen beim kräftigen Blasen stützte.
Der durchdringende, als aufwühlend beschriebene Klang machte den Aulos zum Gegenbild der Kithara: Während die gezupfte Kithara mit ihrem gemessenen Klang dem besonnenen Apollon zugeordnet wurde, galt der Aulos als Instrument des enthusiastischen Dionysos-Kults.
Abzugrenzen ist der Aulos von der modernen Querflöte oder Blockflöte, mit denen er trotz gelegentlicher Übersetzung als „Flöte“ tonerzeugungstechnisch nichts gemein hat, sowie von der Tibia, der lateinischen Bezeichnung für dasselbe Instrument in römischer Zeit.
Spielpraxis
Moderne Rekonstruktionen des Aulos, gestützt auf archäologische Funde, zeigen häufig eine mikrotonale, von der heutigen Halbtonskala abweichende Stimmung; Übertragungen auf moderne Instrumente können diese Feinheiten daher nur annähern.