Bindung
Das Fortklingen eines auf unbetontem Taktteil begonnenen Tons in den folgenden betonten Taktteil hinein, oft synkopisch wirkend.
Was es bedeutet
Bindung bezeichnet in der älteren Satzlehre den Vorgang, dass ein auf einem unbetonten Taktteil (Arsis) angeschlagener Ton über den folgenden betonten Taktteil (Thesis) hinweg fortklingt, statt dort neu angeschlagen zu werden. Der Ton wird also von der schwachen zur starken Zählzeit „herübergebunden“.
Dieses Verschieben des Anschlags gegenüber dem metrischen Schwerpunkt erzeugt einen typisch synkopischen Effekt, bei dem das Ohr die eigentlich betonte Zeit als leer oder verzögert wahrnimmt.
Im Notenbild
Notiert wird die Bindung wie ein gewöhnlicher Haltebogen zwischen zwei gleich hohen Noten, wobei die zweite Note auf dem betonten Taktteil liegt und nicht erneut angeschlagen wird.
Musikalische Verwendung
Die Bindung ist ein Grundmuster der Synkope und tritt in vielfältiger musikalischer Umgebung auf, von der Vokalpolyphonie bis zur Jazz- und Popularmusik, wo verschobene Akzente ein wesentliches rhythmisches Gestaltungsmittel sind.
Abzugrenzen ist die Bindung vom Haltebogen im allgemeinen Sinn, der lediglich zwei Noten gleicher Tonhöhe klanglich verbindet, unabhängig davon, ob dabei ein metrischer Schwerpunkt überbunden wird, sowie von der Synkope als übergeordnetem Begriff für verschobene Betonungen, die auch ohne Bindung entstehen kann, etwa durch Akzentsetzung.
Spielpraxis
Wenn du eine Bindung spielst oder singst, halte den gebundenen Ton über den betonten Taktteil hinweg klanglich stabil, ohne ihn erneut zu artikulieren. Der rhythmische Reiz entsteht gerade dadurch, dass die erwartete Betonung ausbleibt; arbeite diesen Effekt bewusst heraus, statt ihn zu glätten.