Bogenwechsel
Wechsel der Bogenrichtung an Notengrenzen.
Was es bedeutet
Als Bogenwechsel bezeichnet man den Moment, in dem die Bewegungsrichtung des Bogens umkehrt — vom Abstrich in den Aufstrich oder umgekehrt. Er ist technisch der heikelste Punkt des Streichens, weil die Saite in diesem Augenblick kurz ihre Anregung verliert. Gelingt der Wechsel, hört man ihn nicht; misslingt er, entsteht eine Lücke, ein Knacken oder ein plötzlicher Lautstärkesprung.
Im Notenbild
Der Bogenwechsel steht selten ausdrücklich da, sondern ergibt sich aus Bindebögen und Strichzeichen: Wo ein Bindebogen endet, wechselt die Richtung. In eingerichteten Stimmen markieren Herausgeber manchmal einen Wechsel innerhalb eines langen Tones, damit ein ganzes Register an derselben Stelle wechselt und der Klang nahtlos bleibt.
Musikalische Verwendung
Die Kunst, viele Bogenwechsel unhörbar zu machen, ist Voraussetzung für gesangliche Linien; ein Adagio steht und fällt damit. Umgekehrt kann der Wechsel bewusst hörbar sein und als Artikulation dienen, etwa bei tänzerischer oder marschartiger Musik, in der jeder Ton neu ansetzen soll. Bei langen Tönen, die den Bogen überdauern, verteilt eine Gruppe die Wechsel absichtlich ungleichmäßig, sodass nie alle zugleich umkehren und der Klang stehen bleibt.
Spielpraxis
Bereite den Wechsel vor, statt ihn abzuwarten: Nimm kurz vor dem Umkehrpunkt ein wenig Geschwindigkeit heraus und lass Hand und Finger die Richtungsänderung abfedern, während der Arm bereits in die neue Richtung geht. Übe langsame Ganze mit dem Metronom und höre gezielt nur auf die Nahtstelle. Am Frosch neigt der Wechsel zum Stoßen, an der Spitze zum Verschwinden — übe beide Enden getrennt. Bei leisen Stellen hilft ein etwas langsameres Bogentempo mit gleichbleibendem Armgewicht. Im Orchester verabrede versetzte Wechsel mit dem Pultnachbarn, damit die Linie durchläuft.
der Wechsel am Frosch und an der Spitze verschiedene Probleme stellt: Am Frosch droht ein Stoßen durch das Gewicht des Bogens, an der Spitze ein Verschwinden des Tons. Übe beide Enden getrennt und in verschiedenen Lautstärken. Bei gehaltenen Akkorden im Register hilft es, die Wechsel bewusst zu versetzen und die Stellen in die Stimme einzutragen. Achte darauf, dass der Kontaktpunkt während des Wechsels erhalten bleibt, weil ein Abrutschen zum Griffbrett den Ton dünn macht.