Deklamation
Textgemäße Betonung und Rhythmisierung beim Singen und Vertonen.
Was es bedeutet
Deklamation bezeichnet in der Vokalmusik die Umsetzung eines Textes in Melodie und Rhythmus so, dass die natürliche Betonung der Sprache erhalten bleibt. Betonte Silben sollen dabei möglichst mit musikalisch betonten Zeiten zusammenfallen, unbetonte mit leichteren Taktteilen.
Eine Vertonung gilt als schlecht deklamiert, wenn eine unbetonte Silbe einen starken musikalischen Akzent oder eine lange Note erhält, oder wenn ein wichtiges, sinntragendes Wort in der Melodie an einer untergeordneten Stelle mit kurzen Notenwerten erscheint.
Musikalische Verwendung
Der Begriff spielt überall dort eine Rolle, wo Text vertont wird: in Liedern, Chorwerken, Opern, Oratorien und Kunstgesang. Komponisten wägen bei jeder Textzeile ab, wie sich Sprachrhythmus und Metrum mit dem musikalischen Takt und der Melodieführung vereinbaren lassen.
Einfache, volkstümliche Lieder folgen dabei meist recht streng dem metrischen Versbau, während das anspruchsvolle Kunstlied den Sprachrhythmus freier gestaltet, Silben dehnt oder staucht und dadurch einen besonders sprechnahen, ausdrucksvollen Vortrag ermöglicht.
Spielpraxis
Sängerinnen und Sänger sollten beim Einstudieren eines Stücks den Text zunächst laut sprechen und auf seine natürlichen Betonungen achten, bevor sie ihn mit der komponierten Melodie verbinden. So lässt sich erkennen, ob und wie die Vertonung dem Sprachduktus folgt, und der Vortrag kann entsprechend gestaltet werden, etwa durch behutsame Betonung wichtiger Worte oder durch kleine agogische Freiheiten an Sinneinschnitten.