Doppelter Kontrapunkt
Kontrapunkt, dessen Stimmen vertauscht werden können.
Was es bedeutet
Doppelter Kontrapunkt bezeichnet einen zweistimmigen Satz, der so konstruiert ist, dass die obere und die untere Stimme ihre Lage tauschen können, ohne dass dabei satztechnische Fehler wie verbotene Quint- oder Oktavparallelen entstehen. Meist wird dazu eine der beiden Stimmen um ein bestimmtes Intervall versetzt, etwa eine Oktave, eine Dezime oder eine Duodezime, weshalb man auch vom doppelten Kontrapunkt der Oktave, der Dezime oder der Duodezime spricht.
Musikalische Verwendung
Der doppelte Kontrapunkt ist ein zentrales Werkzeug der kontrapunktischen Satzlehre, besonders in Fugen und Invertible-Counterpoint-Passagen, in denen ein einmal erfundener zweistimmiger Satz später in vertauschter Stimmführung wiederkehrt und dadurch neue klangliche Varianten desselben musikalischen Materials liefert, ohne dass neue Substanz komponiert werden muss. Er verlangt vom Komponisten, beim ursprünglichen Entwurf bereits alle möglichen Intervallverhältnisse der späteren Umkehrung mitzudenken.
Abzugrenzen ist der doppelte Kontrapunkt von der einfachen Stimmtauschtechnik ohne besondere Vorkehrungen, bei der eine Vertauschung zu Parallelen oder anderen unerwünschten Klangfolgen führen würde. Bei mehr als zwei vertauschbaren Stimmen spricht man entsprechend von dreifachem oder mehrfachem Kontrapunkt.
Spielpraxis
Verfolge beim Hören eines Satzes im doppelten Kontrapunkt, ob dir eine Passage aus einem früheren Abschnitt bekannt vorkommt, nur mit vertauschten Stimmen: Oft liegt darin der satztechnische Kunstgriff des Komponisten verborgen. Wenn du selbst kontrapunktisch schreibst, prüfe jede geplante Stimmumkehrung vorab am Klavier, um verbotene Parallelen frühzeitig zu erkennen.