Estampie
Mittelalterlicher Instrumentaltanz.
Was es bedeutet
Die Estampie ist eine der ältesten überlieferten Formen instrumentaler Musik in Europa. Sie stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert und wird meist als Tanz gedeutet, auch wenn die Frage, ob und wie sie getanzt wurde, in der Forschung nicht abschließend geklärt ist.
Kennzeichnend ist ihr Aufbau aus mehreren Abschnitten, den sogenannten puncta. Jeder Abschnitt wird zweimal gespielt, wobei die beiden Durchgänge mit unterschiedlichen Schlusswendungen enden: einem offenen, der weiterführt, und einem geschlossenen, der abschließt. Diese Schlüsse sind oft allen Abschnitten gemeinsam und wirken wie ein Refrain.
Zu unterscheiden ist die Estampie von späteren Tänzen wie dem Branle oder der Galliarde, die einer anderen Epoche und anderen Formprinzipien angehören.
Im Notenbild
Estampien sind in wenigen mittelalterlichen Handschriften überliefert, meist einstimmig und ohne Angaben zu Besetzung, Tempo oder Rhythmus in heutigem Sinn. Moderne Ausgaben übertragen sie in heutige Notation und deuten dabei den Rhythmus; die offenen und geschlossenen Schlüsse werden häufig durch Wiederholungszeichen mit erster und zweiter Klammer dargestellt.
Musikalische Verwendung
Die Estampie ist ein wichtiges Zeugnis der instrumentalen Praxis des Mittelalters, von der sonst wenig schriftlich überliefert ist. Heute gehört sie zum festen Repertoire von Ensembles für mittelalterliche Musik. Da die Quellen wenig über die Ausführung sagen, beruhen Aufführungen weitgehend auf Rekonstruktion und Improvisation.
Überliefert sind Estampies unter anderem im Robertsbridge-Fragment und in einer Pariser Handschrift des späten 13. Jahrhunderts. Sie besteht aus mehreren Abschnitten, den Puncta, die jeweils wiederholt werden, mit offenem und geschlossenem Schluss. Sie ist meist einstimmig überliefert.
Spielpraxis
Informiere dich über die Quellenlage und darüber, welche Teile einer Ausgabe ergänzt sind. Arbeite die offenen und geschlossenen Schlüsse deutlich heraus, denn sie gliedern die Form. Wähle Instrumente und Besetzung mit Blick auf das, was für die Zeit belegt ist. Und nutze die Wiederholungen für Varianten — die Praxis der Zeit war vermutlich beweglicher als der überlieferte Text.