Grafische Notation
Notationsform, die statt oder neben klassischer Notenschrift Symbole, Texte oder Farben verwendet.
Was es bedeutet
Grafische Notation nennt man Notationsformen, die statt oder neben der klassischen Notenschrift Symbole, Linien, Formen, Texte oder Farben verwenden, um Musik festzuhalten oder anzuregen. Sie legt Tonhöhe, Rhythmus und Dauer oft nicht genau fest, sondern gibt Richtungen, Verläufe und Charaktere vor, die die Ausführenden selbst deuten.
Musikalische Verwendung
Die grafische Notation entstand in den 1950er und 1960er Jahren in der experimentellen Musik, als Komponisten wie Earle Brown, John Cage und Karlheinz Stockhausen neue Wege suchten, Klang zu notieren. Bekannte Beispiele sind Cornelius Cardews Treatise (1963–67), eine Partitur aus grafischen Formen, und Cages Werke mit Transparentfolien. Sie ist eng mit Aleatorik und Improvisation verbunden und wird auch in der Musikpädagogik verwendet.
Abzugrenzen ist die grafische von der klassischen Notation, die Tonhöhe und Rhythmus genau festlegt, und von der Tabulatur, die Griffe oder Bünde beschreibt. Manche Werke nutzen beide Systeme nebeneinander, andere verzichten ganz auf traditionelle Noten.
Spielpraxis
Wenn du ein Stück in grafischer Notation spielst, lege dir zuerst eine Deutung der Zeichen fest und halte dich konsequent daran, damit die Aufführung nachvollziehbar bleibt. Sprich dich in der Gruppe über die Zuordnung von Symbolen zu Klängen ab und höre beim Musizieren aufeinander.