Intavolierung
Übertragung einer Vokalmusik in Tabulatur.
Was es bedeutet
Intavolierung heißt: einen mehrstimmigen Satz, der ursprünglich für Singstimmen geschrieben wurde, in die Tabulatur eines Instruments übertragen, damit ein einzelner Spieler ihn auf Laute, Orgel oder Cembalo ausführen kann. Das Wort leitet sich von der Tabulatur her — der Satz wird „in die Tabulatur gebracht". Der Vorgang ist mehr als eine Umschrift: Aus vier gleichrangigen Stimmen, die je ein Sänger trägt, muss ein Satz werden, den zwei Hände bewältigen.
Im Notenbild
Das Ergebnis erscheint nicht in gewöhnlicher Notenschrift, sondern in der jeweiligen Tabulaturform — bei der Laute als Angaben von Saite und Bund, bei Tasteninstrumenten im deutschen Sprachraum als Buchstaben mit darübergesetzten Wertzeichen. Die Stimmigkeit ist darin nicht mehr durchgehend abzulesen: Einzelne Töne können wegfallen, wenn sie nicht greifbar sind, andere werden oktaviert. Häufig ist der Satz zudem verziert — Läufe, Umspielungen und gebrochene Akkorde treten an Stellen, an denen die Vorlage lange Notenwerte hatte.
Musikalische Verwendung
Intavolierungen gehören zum Kernbestand der Lauten- und Tastenmusik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Sie waren der Weg, auf dem verbreitete Chansons, Madrigale und Motetten ins häusliche Musizieren gelangten, und zugleich eine Schule der Verzierungskunst: Wie ein Spieler eine bekannte Vorlage ausschmückte, war Gegenstand des Vergleichs und des Wettbewerbs. Für die Forschung sind sie doppelt wertvoll, weil sie Aufschluss über die Aufführungspraxis geben — sie zeigen, was tatsächlich gespielt wurde, nicht nur, was komponiert war.
Abzugrenzen ist die Intavolierung von der bloßen Übertragung in moderne Notenschrift, die nichts hinzufügt, und von der Bearbeitung im heutigen Sinn, die ein Werk für eine andere Besetzung einrichtet, ohne den Notationstyp zu wechseln.
Spielpraxis
Wenn du eine Intavolierung spielst, sieh dir nach Möglichkeit die vokale Vorlage an: Sie zeigt, welche Linie die Hauptstimme ist und wo die Kadenzen liegen — beides verschwindet in der Tabulatur leicht aus dem Blick. Führe die Stimmen bewusst weiter, auch wo Töne fehlen; das Ohr ergänzt, was die Hand nicht greifen kann. Die verzierten Stellen nimm nicht schneller, als die Harmonie es trägt.