Appoggiatura
Lang ausgehaltener Vorschlag, halbiert den Hauptton.
Was es bedeutet
Die Appoggiatura ist der lange Vorschlag. Ein Nebenton tritt an die Stelle des Haupttons und nimmt einen erheblichen Teil von dessen Dauer ein — bei einem einfachen Notenwert in der Regel die Hälfte, bei einem punktierten häufig zwei Drittel. Erst danach erklingt der Hauptton. Im Deutschen heißt sie auch Vorhalt oder langer Vorschlag.
Der Name kommt von appoggiare, „sich anlehnen", und beschreibt die Sache gut: Der Vorschlagston lehnt sich an den Hauptton an und löst sich in ihn auf. Dabei entsteht eine Dissonanz, die auf betonter Zeit erklingt und sich auf leichter Zeit auflöst — darin liegt die Wirkung.
Der Gegenbegriff ist die Acciaccatura, der sehr kurze Vorschlag ohne eigenen Zeitwert.
Im Notenbild
Notiert wird die Appoggiatura als kleine Note ohne durchgestrichenen Hals vor dem Hauptton, meist mit einem kleinen Bogen verbunden. Ihre geschriebene Gestalt sagt nichts über ihre tatsächliche Dauer; diese ergibt sich aus Regeln, die je nach Epoche verschieden sind. Moderne Ausgaben schlagen die Ausführung häufig in einer Fußnote oder über dem System vor.
Musikalische Verwendung
Der lange Vorschlag ist in der Musik des Barock und der Wiener Klassik außerordentlich häufig und gehört zum festen Bestand der melodischen Sprache. Besonders in Kadenzen und an Phrasenenden ist er üblich, in der Vokalmusik auch dort, wo er nicht notiert ist — die Aufführungspraxis erwartete ihn an bestimmten Stellen. In der Musik des 19. Jahrhunderts wird er zunehmend ausgeschrieben.
Der Name stammt von appoggiare, anlehnen. Er wird auf der Zählzeit gespielt. ## Spielpraxis
Gib dem Vorschlagston seine volle Dauer und betone ihn, nicht den Hauptton — die Auflösung ist der leichtere Teil. Spiele den Vorschlag auf der Zählzeit, nicht davor. Lass die Lautstärke zum Hauptton hin nachgeben, damit die Auflösung als solche hörbar wird. Und prüfe bei älterer Musik, welche Dauer die Ausgabe vorschlägt, bevor du dich festlegst.