Vorschlag
Verzierungs-Vorausnote.
Was es bedeutet
Als Vorschlag bezeichnet man einen oder mehrere kleine Töne, die einem Hauptton vorangestellt sind. Er ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Verzierungen, die sich in Dauer und Ausführung erheblich unterscheiden.
Zu unterscheiden sind vor allem zwei Formen. Der kurze Vorschlag, italienisch Acciaccatura, wird so schnell wie möglich gespielt und nimmt dem Hauptton kaum Zeit. Der lange Vorschlag, italienisch Appoggiatura, nimmt dem Hauptton einen erheblichen Teil seiner Dauer, meist die Hälfte, und bildet mit ihm einen Vorhalt mit anschließender Auflösung. Besteht die Figur aus mehreren stufenweisen Tönen, spricht man vom Schleifer.
Das Gegenstück ist der Nachschlag, der dem Hauptton nachgestellt ist.
Im Notenbild
Vorschläge werden als kleine Noten vor dem Hauptton notiert, meist mit einem Bogen verbunden. Ein durchgestrichenes Fähnchen kennzeichnet den kurzen Vorschlag, ein nicht durchgestrichenes den langen — eine Unterscheidung, die erst im 19. Jahrhundert allgemein üblich wird. In älterer Musik sagt die Schreibweise nichts über die Dauer, und die Ausführung richtet sich nach Regeln, die von Epoche und Region abhängen.
Musikalische Verwendung
Vorschläge gehören zum Grundbestand der Melodik vom Barock bis in die Romantik. Der lange Vorschlag ist dabei mehr als Zierrat: Er erzeugt eine Dissonanz auf betonter Zeit und gehört damit zur Harmonik des Satzes. Der kurze gibt einem Ton Schärfe und Nachdruck. In der Vokalmusik des 18. Jahrhunderts wurden Vorschläge häufig auch dort ergänzt, wo sie nicht notiert sind.
Man unterscheidet langen und kurzen Vorschlag. Er wird klein gestochen.
Spielpraxis
Kläre zuerst, ob ein kurzer oder ein langer Vorschlag gemeint ist; davon hängt die ganze Wirkung ab. Beim langen betone den Vorschlagston und lass ihn sich in den Hauptton auflösen; beim kurzen betone den Hauptton. Prüfe, ob der Vorschlag auf oder vor der Zählzeit liegen soll. Und ziehe bei älterer Musik das Vorwort der Ausgabe heran, bevor du dich festlegst.