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Harmonik

Binnenkadenz

Zwischenkadenz innerhalb eines Formteils.

Was es bedeutet

Eine Binnenkadenz ist eine Kadenz, die nicht am Ende eines Stückes oder Formteils steht, sondern in dessen Innerem. Sie gliedert den Verlauf in kleinere Abschnitte, ohne ihn abzuschließen. Damit ist sie für die harmonische Form, was das Komma oder das Semikolon für die Sprache ist.

Musikalische Verwendung

Welche Kadenz im Inneren steht, hängt von der Aufgabe ab. Am häufigsten ist der Halbschluss, der auf der Dominante offen stehen bleibt und eine Fortsetzung erzwingt — er beschließt typischerweise den Vordersatz einer Periode. Ebenso üblich sind unvollkommene authentische Schlüsse, bei denen die Tonika zwar erreicht wird, aber nicht in voller Schlusskraft, weil etwa die Terz in der Oberstimme liegt oder ein Akkord in Umkehrung steht. Auch Kadenzen in einer Nebentonart gehören hierher: Sie gliedern den Verlauf und schaffen zugleich einen neuen Bezugspunkt, ohne den Satz zu beenden.

In der Vokalmusik richten sich Binnenkadenzen nach dem Text. Im Choral schließt jede Zeile mit einer Kadenz, von denen nur die letzte ein Ganzschluss ist; die übrigen gliedern und führen weiter. In der mehrstimmigen Musik der Renaissance heißen solche Zwischenschlüsse Klauseln, und ihre Abfolge bestimmt die Anlage eines Satzes.

Die Kunst liegt im Abstufen: Ein Satz, in dem jede Kadenz gleich stark wirkt, zerfällt in Einzelteile; einer, in dem die Schlusskraft planvoll zunimmt, erscheint als zusammenhängende Form.

Binnenkadenzen gliedern die Form, indem sie Zwischenziele setzen, ohne den Satz zu beenden. In einer Periode schließt der Vordersatz meist mit einem Halbschluss, der als Binnenkadenz den Nachsatz vorbereitet. In längeren Sätzen führen Binnenkadenzen oft in verwandte Tonarten, etwa zur Dominante oder zur Paralleltonart. Im Choral entsprechen sie den Zeilenschlüssen, die in der Regel durch Fermaten gekennzeichnet sind und das Gerüst des Satzes bilden. ## Spielpraxis

Bestimme beim Erarbeiten die Kadenzen eines Satzes und ordne sie nach ihrer Stärke. Gestalte Binnenkadenzen als Atempause, nicht als Ende — nimm den Schlussklang nicht zurück, als ob alles vorbei wäre, und halte die Spannung für die Fortsetzung. Und spare die volle Schlusswirkung für den tatsächlichen Schluss auf.