Klausel
Schlussformel im Vokalsatz.
Was es bedeutet
Eine Klausel ist eine melodische Schlussformel im mehrstimmigen Vokalsatz der Renaissance. Anders als die spätere Kadenz, die als Folge von Akkorden beschrieben wird, beruht die Klausel auf der Bewegung einzelner Stimmen: Jede Stimme erreicht den Schlusston auf eine festgelegte Weise, und aus dem Zusammentreffen dieser Bewegungen entsteht der Schluss. Das lateinische Wort clausula bezeichnet dieselbe Sache; im Lateinischen kann es daneben auch einen Abschnitt des Organums meinen.
Musikalische Verwendung
Die Formeln wurden nach den Stimmen benannt, in denen sie typischerweise liegen. Die Diskantklausel führt vom Leitton einen Halbton aufwärts zum Schlusston, oft mit einem vorangehenden Vorhalt; die Tenorklausel führt von der zweiten Stufe schrittweise abwärts. Beide zusammen bilden das Gerüst des Schlusses, bei dem sich die Stimmen von der Sexte in die Oktave öffnen. Die Bassklausel springt von der Quinte zum Schlusston, die Altklausel füllt den Zusammenklang auf. In späterer Sicht entspricht die Verbindung dieser Formeln der Folge Dominante–Tonika.
Da der Leitton in vielen Modi nicht leitereigen war, wurde er in der Diskantklausel durch musica ficta gewonnen. In wissenschaftlichen Ausgaben ist diese Erhöhung an kleinen Vorzeichen über dem System erkennbar.
Klauseln stehen nicht nur am Ende, sondern gliedern auch das Innere eines Satzes. Ihre Abfolge — auf welchen Tönen sie stehen und wie stark sie schließen — bestimmt die Anlage eines Stückes und steht im Zusammenhang mit dem Modus.
Die wichtigsten Klauseln wurden nach den Stimmen benannt, in denen sie typischerweise auftreten: Die Diskantklausel steigt mit dem Halbtonschritt in den Schlusston, die Tenorklausel fällt mit einem Ganztonschritt, die Bassklausel springt eine Quinte abwärts oder eine Quarte aufwärts. Zusammen bilden sie die spätere authentische Kadenz. ## Spielpraxis
Erkenne an Schlüssen, welche Klausel deine Stimme singt, und führe sie bewusst zum Ziel. Singe die Diskantklausel mit engem Leitton. Und kläre im Ensemble, welche Schlusstöne erhöht werden; uneinheitliche Leittöne sind sofort hörbar.